Druckschrift 
Sammlung religiöse Volkskunst mit der alten Klosterapotheke im ehemaligen Wiener Ursulinenkloster : Katalog
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Dem Museum blieb kaum eine andere Wahl, als aus seinen reichen Depotbestän-den die so gut wie unbekannten, unaufgearbeiteten, nie gezeigten Stücke zur alten reli-giösen Volkskunst zu entnehmen und eine einigermaßen sinnvolle Gruppierung in denvorzüglich eingebauten und beleuchteten Vitrinen der vormals so düsteren, heute soschönen gewölbten Klosterräumlichkeiten durchzuführen. Die Apotheke weist nebenihren hübschen bemalten Weichholzmöbeln und den hunderten von alten Zinn-, Glas-und Holzgefäßen vor allem ein großes Olbild Christus als Apotheker" auf, das sinn-volle Mittelstück, das auf den Zusammenhang der weltlichen Pharmazie mit den geist-lichen Heil- und Hilfsmitteln hinweist. 3) Vor diesem Apothekenraum wurde dement-sprechend der Raum mit den Zeugnissen der Christus- Frömmigkeit gestaltet. Von derVerkündigung und Geburt des Erlösers bis zu Passion und Kreuzestod sind also Volks-kunstwerke vor allem des 17. bis 19. Jahrhunderts hier ausgestellt, mit besonderemBedacht auf symbolische Darstellungen. Proben von Weihnachts- und Fastenkrippenstehen hier ebenso wie Devotionalkopien von Christus- Gnadenbildern.

Im Raum hinter der Apotheke konnte dagegen der Marien- Devotion gedacht wer-den. In der Apotheke selbst fand sich ein bemerkenswertes Votivbild zur WallfahrtKlein- Mariataferl in Jedlersdorf vor, das wie die anderen großen Bilder vom Bundes-denkmalamt dankenswerterweise vorzüglich restauriert wurde. Daran konnte also dieDarbietung der Objekte der marianischen Frömmigkeit anschließen, mit besonderemHinweis auf die großen Wallfahrten Mariazell und Mariataferl, aber auch auf anderewichtige Gnadenbilder im altösterreichischen Bereich. 4) Manche Objektgruppen wiebeispielsweise die guten hafnerkeramischen Plastiken aus Salzburg sind hier erstmalszusammengestellt.

Von diesem dritten Raum aus geht man in den breiten Gang hinaus, der aufWunsch des Museums mit großen eingestemmten, beleuchteten Wandvitrinen ausgestat-tet wurde. In diesen Vitrinen konnten die Objekte zur Verehrungsgeschichte einzelnerHeiliger und Heiligengruppen dargeboten werden. Die Reihe beginnt mit einer demhl. Joseph gewidmeten Vitrine. Ganz zuinnerst findet sich die Vitrine mit den Bilderndes hl. Florian, dann folgen jene für die Pestheiligen Sebastian, Rochus und Rosalia,für die Dreifaltigkeit, für die hl. Anna und Johannes den Täufer, ferner eine Vitrine,welche Darstellungen mit gegengleichen Christus- und Marienbildern zeigt, weiters einemit Zeugnissen der Verehrung des hl. Johann von Nepomuk und schließlich die letztemit Darstellungen von Ordensheiligen, unter den die hl. Franziskus von Assisi undAntonius von Padua besonders hervortreten. Die Vitrinen sowie die Wände zwischenihnen sind zum Teil mit Karten ausgestattet, welche die Verbreitung verschiedenerDevotionen zeigen. So wird in der Vitrine der Pestpatrone auf die Verbreitung derSebastiansäulen und-spiele hingewiesen, in jener der Dreifaltigkeit auf die Dreifaltig-keitswallfahrten und Pestsäulen usw. Obgleich die Objekte, vor allem Plastiken undBilder( Andachtsbilder, Hinterglasbilder) schon an und für sich stark sprechen, infolgeder gruppenmäßigen Zusammenstellung wohl verehrungsgeschichtlich wie ikonogra-phisch gut erfaßbar sind, unterstreichen diese eigens erarbeiteten Karten wohl noch denSinn der Darstellung.

Diese Sammlung Religiöse Volkskunst ist also sowohl aus dem reichen, siebenJahrzehnte hindurch geschaffenen Bestand des Museums für Volkskunde erwachsen,wie auch aus der gerade an unserem Museum stark betriebenen Forschung auf diesemSpezialgebiet. Obwohl eine gewisse Berührung mit den in den letzten Jahren aufgestell-

2

3) Wolfgang J. Müller, Christus als Apotheker( RDK Bd. III, Sp. 637 ff.)

4) Schmidt, Katalog der Ausstellung Marianische Wallfahrten in Österreich. Wien 1954.