Urlaub und Freizeit
Im Verlauf des Industrialisierungsprozesses erfolgte eine immer strik-tere Trennung von Arbeitswelt und Freizeit, bzw. von Arbeitsstätteund Privatsphäre. Während in der vorindustriellen HauswirtschaftArbeit und Familienleben nicht getrennt waren( wie dies z.B. inbäuerlichen Familien auch noch weiterhin der Fall war), waren diebürgerliche Familie und die Arbeiterfamilie durch eine Trennungderselben gekennzeichnet. Die Freizeit erhielt eine kompensatori-sche Funktion, sie war jene Zeit, in der selbstbestimmtes Lebenstattfinden konnte, während die Zeit der Erwerbsarbeit durch die dortherrschenden Regeln und Zwänge fremdbestimmt war. 1918 wurdeder Achtstundentag als Normalarbeitstag eingeführt, Urlaubsrege-lungen führten zu einer weiteren Form der individuell gestaltbarenZeit. Die Entstehung der Amateurfotografie ist auch vor diesemHintergrund zu sehen: Nicht nur die Vereinfachung und Verbilligungder Fototechnik ermöglichte das Fotografieren zunehmend auchLaien, eine wichtige Voraussetzung zur Ausübung dieser Tätigkeitwar auch ein individuell gestaltbares Zeitkontingent.
Das zunehmende Verfügen breiter Bevölkerungsschichten über ar-beitsfreie Zeit war nicht nur ein wichtiger Grund für die Entstehungder Amateurfotografie als Massenhobby, Urlaub und Freizeit gehör-ten von Anfang an auch zu den wichtigsten Motiven der Amateurfo-tografie ganz allgemein und der Familienfotografie im besonderen.Freizeit und Urlaub gehören wie Feste und Feiern zu den„ Hochzei-ten" des Familienlebens und zählen somit zu den beliebtesten Foto-motiven, die Geschichte der Fotografie und des Tourismus sind engmiteinander verknüpft.
Ab den 1950er Jahren konnten sich mit der zunehmenden Verbes-serung der wirtschaftlichen Situation immer mehr Familien nicht nurAusflüge in die nähere Umgebung ihres Wohnortes, sondern auchReisen in entferntere Gegenden leisten. Ein Aufenthalt am Meer galtvielen als Inbegriff für Urlaubsglück- zahlreiche Strandfotos in denFamilienalben zeugen davon.
Die Geschichte der Freizeit und des Reisens hängt mit jener derzunehmenden Motorisierung zusammen. Ausflüge und Reisen wa-ren stets ein willkommener Anlaß, das neuerworbene Auto ins Bildzu rücken. Solange sich nur wenige einen Wagen leisten konnten,war er ein Statussymbol, das gerne mit aufs Foto genommen wurde.Bis in die 1970er Jahre sind daher zahlreiche Fotos entstanden, aufdenen das Auto eine zentrale Rolle spielt. Die männlichen Fotografenkombinierten für ein Foto gerne ihre zwei wichtigsten ,, Besitztümer":Auto und Frau bzw. Freundin.
50