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FamilienFOTOfamilie : Begleitbuch zur Jahresausstellung 2000 im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee vom 16. April bis 5. November 2000
Entstehung
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In der Bedeutung des Privatlebens, die mit der zunehmenden Be-schleunigung aller Lebensbereiche und der wachsenden Unüber-sichtlichkeit der gesellschaftlichen Strukturen und Verhältnisse ver-stärkt wurde, ist eine wichtige Motivation für die Betätigung desAmateurfotografen zu suchen. Hier konnte er eine eigene Bilderweltschaffen, die das, was ihm persönlich wichtig war, abbildete undbewahrte. Das Fotografieren als kreative Tätigkeit war zudem einwillkommener Ausgleich zur fremdbestimmten Erwerbswelt. Mit derselbstbestimmten Produktion von fotografischen Bildern hatte derAmateurfotograf eine Möglichkeit gefunden, seine Individualität zuerleben und zu dokumentieren. Sein eigener kleiner Kosmos wurdefür immer festgehalten und so der schnellen Vergänglichkeit schein-bar entzogen. Mit dem aufs Negativ gebannten Leben, der Familie,dem Haus und den Gegenständen, die ihn umgaben, versicherte sichder Amateurfotograf seiner Identität und er vermeinte, das, was ihmlieb und wert war, dem Fluß der Zeit zu entreissen: ,, Was wir aber anschönen und originellen Bildern festhalten, das ist für alle Zeiten einGewinn für die Familie." 21 Die Fotografie vermöge zu bannen, wassonst entflieht und entsinkt❝22.

Wenn auch die Amateurfotografie ein großes Kreativitätspotentialbesitzt, so wurde dies nicht unbedingt ausgeschöpft, auch hier ent-standen bald Normen der Darstellung, glichen sich die Motive undAnlässe, zu denen fotografiert wurde. Die Ratgeberliteratur für Ama-teurfotografen trug das ihre zu einer gewissen Uniformität in derprivaten Bildproduktion bei, in dem sie merksatzartig vermittelte, was,, gut" und was ,, schlecht" ist. Auch die in der Öffentlichkeit und in denverschiedenen Medien ansteigende Bilderflut beeinflußte die Ama-teurfotografie so lassen sich z.B. bestimmte Posen weiblicherFilmstars auch auf den privaten Bildern wiederfinden. Die Bilderweltder Amateurfotografen besitzt also einerseits eine gewisse Autono-mie und Eigenständigkeit, andererseits orientiert sie sich stark anverschiedenen Vorbildern und ist immer ein Spiegelbild der zeitge-nössischen gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse.Die Geschichte der Amateurfotografie ist stark durch die sozialePosition der Fotografen gekennzeichnet. Arbeiter konnten sich min-destens bis zum Ersten Weltkrieg keine Fotoausrüstung leisten. Erstab der Zwischenkriegszeit war es auch ihnen möglich, sich fotogra-fisch zu betätigen, und es entstanden z.B. im Bereich der sozialde-mokratischen Arbeiterkultur Vereine für Amateurfotografen. Da diefotografische Betätigung auch in hohem Maße an die zur Verfügungstehende Zeit gekoppelt ist, konnte sie sich im bäuerlichen Bereich21 Temmler, Heinz( 1954): Der große Photohelfer. Ein Photo- Lehrbuch für jederman.Nürnberg, S. 132.

22 Noriega, Rosello( 1957): Das Reich der Frau. München- Gräfelfing, S. 351.

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