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FamilienFOTOfamilie : Begleitbuch zur Jahresausstellung 2000 im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee vom 16. April bis 5. November 2000
Entstehung
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wechselbarkeit des Einzelnen garantierte, entstanden durch die ste-reotypen Inszenierungen zwangsläufig einander sehr ähnliche Bilder.Gleichzeitig besaßen diese fotografierten Idealbilder jedoch eineandere Realitätsbezogenheit bzw.-mächtigkeit als gemalte Bilder.Die Malerei spielte in der älteren Atelierfotografie auch in Hinblick aufdie Atelierausstattung eine wichtige Rolle. Gemalte Hintergründesollten die Dargestellten in eine, realistisch" anmutende Szene hineinversetzen. Dabei handelte es sich entweder um detailliert ausgeführ-te oder angedeutete Interieurs oder auch Szenen in der freien Natur.Ergänzt wurden diese gemalten Hintergründe durch entsprechendeRequisiten, die entweder echt waren oder aber aus bemaltemPappmachee bestanden. Walter Benjamin beschrieb in seinen Erin-nerungen an seine, Berliner Kindheit um Neunzehnhundert", wie erin einem Fotoatelier als Älpler verkleidet inmitten einer dazupassen-den Kulissenlandschaft verewigt wurde: Wohin ich blickte, sah ichmich umstellt von Leinwandschirmen, Polstern, Sockeln, die nachmeinem Bilde gierten wie die Schatten des Hades nach dem Blut desOpfertieres. Am Ende brachte man mich einem roh gepinseltenProspekt der Alpen dar, und meine Rechte, die ein Gemsbarthütleinerheben mußte, legte auf die Wolken und Firnen der Bespannungihren Schatten." 12

Die Fotoateliers galten als Tempel der Fotografie", aber auch als,, Folterkammern" 13, da die noch langen Belichtungszeiten verschie-dene Maßnahmen erforderten, um die Körper der Abzubildendenruhig zu halten. Eigens konstruierte Hilfsmittel wie Kopfstützen undHalteapparate, die die Personen von hinten stützten, sollten einVerwackeln der Bilder verhindern. Auf manchen Fotografien sindderen Füße oder Ständer sichtbar, meist wurden ihre Spuren jedochmittels Retouche beseitigt. Eine andere Möglichkeit bestand darin,sich an Tischen, Sesseln oder anderen Möbelstücken und Requisitenanzulehnen oder anzuhalten. Bestimmte Kundschaften waren be-sonders schwer ruhigzuhalten. In einem 1870 erschienenen Lehr-buch der Photographie heißt es unter dem Stichwort Umgang mitdem Publikum": Eine andere unangenehme Klasse von Kunden sinddiejenigen, welche sich mit kleinen Hunden auf den Knieen odergroßen an ihrer Seite photographieren lassen; die schlimmsten abersind die kleinen Kinder. Diese kleinen Schreier werden gewöhnlichvon Mama, Papa und Amme begleitet, welche alle dem Photogra-

Photographische Correspondenz 3. Zit. n. Starl, Timm( 1991): Die Physiognomiedes Bürgers. Zur Ästhetik der Atelierporträts. In: Ders.: Im Prisma des Fortschritts.Zur Fotografie des 19. Jahrhunderts. Marburg, S. 43.

12 Benjamin, Walter( 1980): Berliner Kindheit um Neunzehnhundert. In: Ders.: Gesam-melte Schriften. Bd. IV/ 1. Frankfurt/ Main, S. 261.

13 Sagne, Jean( 1998): Porträts aller Art. Die Entwicklung des Fotoateliers. In: Frizot,Michel( Hg.): Neue Geschichte der Fotografie. Köln, S. 103.

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