Lazarustag
Die christliche Kirche widmet den Sonnabend vor Ostern einem derWunder des Erlösers, der Auferstehung von Lazarus( Joh. 11,1-45).An diesem Tag werden die Vorstellungen, die mit den altertümlichenBräuchen der Konfirmation und mit der Vorbereitung der jungenFrauen auf das Eheleben verbunden sind, wieder ins Leben zurück-gerufen.
Das sogenannte Lazaruwane ist ein Brauch, der die Mädchen ,, hei-ratsfähig" macht. Sie dürfen jetzt eine Jungfrauentracht Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrauentracht bestehendaus bestickten Kleider und Kopftüchern tragen, sich mit Blumen-sträußchen schmücken, Ketten, Ohrringe und Armreifen tragen unddie Haare in Zöpfe flechten. Die Teilnahme am Lazaruwane schütztaußerdem vor der Liebe eines Drachens.
Die Vorbereitung für diesen Feiertag beginnt sehr früh. Die Mädchensammeln bei einer im Lazaruwane erfahrenen Frau. Sie lernen dieLieder und Tänze, bereiten ihr Gewand vor und wählen eine leitendeFrau aus. Am Feiertag selbst gehen die Lazarusscharen nach demGottesdienst von Haus zu Haus. Die Mädchen haben sich vonjungvermählten Frauen ihre Heiratskleider, Gürtel, Gürtelschnallenund Ketten geliehen. Auf ihren Köpfen tragen sie Kränze und Blumen,Ketten von Goldstücken und Perlen, Pfauenfedern und Papierblu-men. In Ostbulgarien gibt es unter der Lazarusschar Mädchen, diemit Pelzmützen, roten Gürteln, einem Umhang und männlichen Attri-buten wie einem Beil oder einem Stock als Männer verkleidet sind.Mit den Mädchen geht auch die Lazarusbraut- ein kleineres Mäd-chen, dessen Eltern noch leben und das wie eine Braut mit einemroten oder weißen Kopftuch als Schleier angezogen wird. In Südbul-garien tragen die Lazarki eine aus der Stange des Webstuhls ge-machte Puppe, die Brautkleider und einen roten Schleier auf demKopf trägt und Lazarus heißt. Die Puppe wird rituell im Fluß gebadet,damit im Sommer viel Regen kommt.
Die Lazarki gehen in jedes Haus des Dorfes. Eine Ausnahme bildennur die Häuser, wo vor kurzem jemand gestorben ist. Auf dem Hofoder neben dem Hausherd singen sie ihre Rituallieder und tanzenihre Ritualtänze. Die Lieder sind für jedes Mitglied der Familie be-stimmt, es gibt spezielle Lieder für den Pflüger, den Schafhirten, fürden Priester und den Bürgermeister. Zuerst werden die Lieder vonzwei Mädchen gesungen. Nach dem ersten Vers beginnen die näch-sten zwei zu singen. Nach jedem Vers wird„ Lazarus" als Kehrreimgesungen. Der Tanz der Lazarki ist ein nicht gebundener Reigen. DieMädchen tanzen zu zweit, schwenken ihre Kopftücher und springenhoch, damit die Saat hochwächst. Die Lazarki gehen singend zu denFeldern und Wiesen, zu den Flüssen und Brunnen, zum Anger und
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