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Zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren : historische Kalenderbräuche aus Bulgarien ; eine Ausstellung des Ethnographischen Instituts mit Museum der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen von EFMO (Ethnologie-Forum Mittel- und Osteuropa) ; Begleitbuch zur Jahresausstellung 1999 im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee vom 20. Juni bis 1. November 1999
Entstehung
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Die Entwicklung der Volkskunde inBulgarien im Überblick

Anelia Kassabova- Dinčeva

Die Entstehung des Nationalstaates und derVolkskulturwissenschaft

Die Entwicklung des Interesses am Volkstum ist, ähnlich wie in denanderen europäischen Staaten, eng mit dem Prozeß der Nationsfor-mierung verbunden; sie geht einher mit einer politischen Entwicklungim 18. und 19. Jahrhundert, in deren Verlauf das Modell des Natio-nalstaates sich durchsetzte und das Nationale als das zentraleMerkmal der politischen Organisation hervorgehoben wurde.So ist die Entfaltung der nationalen Wiedergeburtsbewegungen inSüdosteuropa von den west- und mitteleuropäischen intellektuellen,sozialen, ökonomischen und politischen Tendenzen beeinfluẞt; sieweist aber, bedingt durch die Einbindung der balkanischen mittelal-terlichen Staaten in den osmanischen Vielvölkerstaat vom 14. Jahr-hundert bis hinein ins 19. Jahrhundert, verschiedene Spezifika auf.Mit dem Fehlen eigener Staatlichkeit ist erklärbar, daß die südeuro-päischen Wiedergeburts- und Nationalbewegungen nicht das west-europäische liberale Nationsverständnis von der Staatsnation", dasdie Nation als Gemeinschaft von Staatsbürgern beschreibt und derenkollektive Souveränität sie zum Staat macht, aufgreifen konnten.Aufgrund der spezifischen historischen Realitäten kamen die geisti-gen Einflüsse vorwiegend von Seiten der deutschen Aufklärung undRomantik, sowie von den russischen revolutionären Demokraten.Theoretisch und methodisch war die bulgarische Gründergenerationder Volkswissenschaft in den deutsch- slawischen Raum eingebun-den. Dieser Verbindung lag einerseits eine ähnlich gelagerte Proble-matik( Vielvölkerstaaten oder Staaten, deren Grenzen nicht allepotentiellen Bürger einschlossen), andererseits die unmittelbarenpolitischen Interessen der Habsburger- und Romanovmonarchien inBezug auf das Osmanische Reich zugrunde. Das Nationsverständniseiner ethnisch- sprachlichen Kulturnation, entwickelt von J. G. Herder,bildete die ideelle Basis des Vereinigungsnationalismus. Konzentrier-ter Ausdruck dieses Nationsverständnisses für Bulgarien ist die,, Slawobulgarische Geschichte" von Paisij aus dem Kloster Chilendar.Die Schrift erschien 1762 und gilt als Beginn der Wiedergeburtsbe-wegung und als Wegweiser für die volkskundliche Tätigkeit.

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