Sirni sagowesni( die erste Fastenwoche vor Ostern)
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Die erste Woche der Fastenzeit vor Ostern nennen die Bulgaren sirnanedelja( sirene= Käse und nedelja Woche), sirniza oder sirnipokadi, weil der kirchliche Kanon in dieser Woche das Essen vonMilch, Eiern und Käse erlaubt. In dieser Periode sind gewisse Tätig-keiten im Haushalt streng verboten es wird nicht gestrickt undgenäht, damit der Weizen nicht verletzt wird, es wird nicht gewaschenund weiße Wäsche darf nicht aufgehängt werden, damit kein Hagelim Sommer kommt. Der Sonntag wird proschka(= Vergebung) ge-nannt, weil der Brauch, an diesem Tag eine Vergebung zu gewährenund zu erbitten in ganz Bulgarien verbreitet ist. Die jüngeren Leutebitten die älteren um Vergebung, so auch die Jungvermählten ihreTrauzeugen und ihre Eltern und Paten. Die Jungen verbeugen sichund küssen die Hand und sagen„ Vergib mir!". Die Älteren segnensie: ,, Gott vergebe dir, es sei dir vergeben!" Alle setzen sich an denfeierlichen Tisch und beginnen versöhnt und gereinigt zu fasten.Die Kinder warten mit Ungeduld auf das interessanteste Ereignis andiesem Abend-- das sogenannte hamkane(= in Bissen essen, ko-sten) von weißem Halwa( auch türkischer Honig genannt), Käse odereinem gekochten Ei. Diese Sachen werden mit einem Woll- oderHanffaden auf einen Spinnrocken gehängt, den die Großmutter hin-und herpendelt. Jeder versucht das Stückchen mit dem Mund zuerhaschen, ohne es mit den Händen zu berühren. Zum Schluß wirdder Faden angezündet und an der Art seines Brennens wird dieGesundheit der Familienangehörigen und die Fruchtbarkeit der Äckerim nächsten Jahr gedeutet. Die Asche wird aufbewahrt und alsHeilmittel gegen Augenerkrankungen bei den Haustieren gebraucht.Das Anzünden und Überspringen eines großen Feuers ist ein wich-tiger Teil des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums dieser Periode. Während der ganzenWoche sammeln die Bursche Zweige und Maisstroh und bauendaraus einen hohen Scheiterhaufen auf den Höhenzügen rings umdas Dorf herum. Am Sonntagabend zünden sie die Feuer an. Speziellfür diesen Abend fertigen die verliebten Burschen Holzpfeile undzünden sie an dem Feuer an. Jeder wirft seinen brennenden Pfeilvom Hügel herab in den Hof seiner Liebsten. Am Abend, solange dieFeuer und die brennenden Holzpfeile das ganze Dorf bescheinen,wird am Anger ein großer Reigen- zum letzten Mal vor Osternabgehalten. Es wird temperamentvoll und munter getanzt und hochgesprungen, damit die Saat groß wächst. Am nächsten Morgenspringen die Burschen und die Kinder über das Feuer und spielendarum herum. Wie in der allgemein europäischen Tradition wird dieReinigungskraft des Feuers auch von den Bulgaren als eine Voraus-setzung für Fruchtbarkeit angesehen.
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