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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
Entstehung
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Vom Leben auf dem Dorf

4.3.1.4. Die Vorbereitungen

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Kochen und Backen nimmt allein drei Tage in Anspruch, wenn auch Verwandte undNachbarinnen helfen kommen. Am ersten Tag sind die Krapfen an der Reihe undfüllen viele große Körnerreitern, sechs bis sieben Sorten und nicht zu vergessen derunausbleibliche Schnürkrapfen, der um einen Holzprügel gebacken wird und weißenoder roten Zuckerüberguß hat. Er ist vielleicht unter dem Namen Baumkuchen bes-ser bekannt. Die Waldviertler sagen auch Prügelkrapfen. Sein Umfang erreicht 60 bis70 cm. Der wichtigste Kuchen aber ist der Polster. Dies ist eine Art Gleichgewichts-kuchen aus 30 Eiern, 1 kg Zucker und dem Gleichgewicht von 30 Eiern an Mehl. Erist würfelförmig, hat eine rosa Zuckerglasur mit weißer Spritzverzierung, die Sinn-bilder der Fruchtbarkeit an den vier Ecken trägt und in der Mitte meist eine Wiegedarstellt.

Am zweiten Tag wird dreierlei Fleisch gekocht. Dafür mußten viele Kälber,Schweine und Hühner das Leben lassen. Gebackenes Fleisch darf nicht dabei sein.Dazu kommen noch saure Suppen, Zwetschkensuppen mit Krapferln drin und Prein( eine Hirseart). Der dritte und letzte Tag gehört dann ganz dem Brotbacken.

Nicht nur die Braut, auch der Bräutigam darf nicht untätig sein. Zusammen muß-ten sie die Beistände einladen und sie bitten, dieses Amt zu übernehmen. Dann gehtder Beistand des Mannes oder Heiratsmann" als Hochzeitsbitter mit dem Bräuti-gam zu den Verwandten und Nachbarn einladen. Bei sehr großen Hochzeiten schicktman auch noch andere Boten. Je nach Wert der Verwandtschaft werden aus jedemHaus ein, zwei oder auch mehrere Personen nach alter strenger Regel eingeladen.Von den Nachbarn sind es immer zwei. Die Kranzeljungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Kranzeljungfrauen und Junggesellenwerden aus der Gödenschaft oder aus der Verwandtschaft ausgewählt.

Die Hochzeitsbitter sind feierlich schwarz angezogen und mit einem Rosmarin-oder Myrthensträußlein geschmückt. Diese Sträußlein sind ein Andenken an die al-ten Buschen aus Lebensruten, die fruchtbarkeits- und segenbringend waren. DiePflänzlein Rosmarin und Myrthe selbst aber hat die katholische Kirche aus dem Mit-telmeergebiet gebracht, wo sie das Sinnbild immerwährender Liebe und vollkomme-ner Reinheit verkörpern.

4.3.1.5. Der Vorabend

Die Dorfburschen gehen dann und holen ein Nadel- oder Birkenbäumchen, das siebändergeschmückt am Dach des Brauthauses anbringen. Wenn es zwei Bäumchensind, werden sie links und rechts vom Einfahrtstor aufgestellt.

Auf dem Tor bringen sie ihre Glückwünsche an, von denen hier drei aus Äpfel-gschwendt wiedergegeben werden: 64

64 Die in diesem Manuskript aufscheinenden Lieder und Sprüche hat auch Marianne Fidiin ihrer zitierten Dissertation über das Waldviertler Hochzeitsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Hochzeitsbrauchtum noch 30 Jahre späteraufzeichnen können.