Vom Leben auf dem Dorf
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fung von Unterlagen für die Trachtenerneuerung, die vornehmlich über die Jugend-bewegung verbreitet werden sollte. Besonders BdM und NS- Frauenschaft wurdennachdrücklich zur Mitarbeit aufgerufen.57
Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, wie vorsichtig man mit der Interpretation vonBildquellen umzugehen hat, sofern der Hintergrund, vor dem sie entstanden sind,nicht bekannt ist.
4.3. Beispiele aus dem Lebensbrauch
4.3.1.„ Hochzeitsbräuche in Niederdonau"( von Adolfine Misar)
4.3.1.1. Einleitender Exkurs
Die Aufzeichnungen und Beschreibungen von Hochzeitsfesten und dem damit ver-bundenen reichen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum, das eines gewissen öffentlichen Charakters- obwohles sich um ein privates Ereignis handelt,„ dem wichtigsten Schritt, den ein Menschim Leben macht" 58 nicht entbehrt, und daher dem Zugriff volkskundlichenBrauchforscherdranges relativ offen stand, war seit jeher ein Lieblingskind der volks-kundlichen Forschung. Dementsprechend umfangreich ist hier die Literatur.59 DemBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum des menschlichen Lebenslaufes war daher selbstverständlich auch einTeil des Fragebogens gewidmet, nach dem die„ Arbeitsgemeinschaft Waldviertel"bei ihren Untersuchungen im Entsiedlungsgebiet 1938/39 vorging. Die Tatsache, daßdie Leiterin der Arbeitsgemeinschaft, Adolfine Misar, plante, dem Thema Hoch-zeitsbrauch ihre Dissertation zu widmen, ist es zu verdanken, daß das gesammelteMaterial zu diesem Thema, entgegen allen anderen Unterlagen aus dieser Forschung,in Form einer Bearbeitung und Zusammenstellung von Adolfine Misar in deren Pri-vatarchiv die vergangenen 50 Jahre überdauerte. Diese Dissertation, in den Kriegs-jahren unter dem Titel„ Hochzeitsbräuche in Niederdonau" entstanden, wurde auf-grund verschiedener universitärer Ereignisse im Zusammenhang mit der Errichtungder Wiener Lehrkanzel für Volkskunde im Jahre 1939 nie eingereicht und auch späternicht publiziert.60
57 Arthur Haberlandt, Zu den Erhebungen über Volkstrachten im ehemals Niederösterreichi-schen Gaugebiet. In: Wiener Zeitschrift für Volkskunde, XLV. Jg., Wien 1940, S. 51- 53. Fach-geschichtlich vgl. hier den kürzlich erschienenen Aufsatz von Heinz Schmitt, Theorie und Pra-xis der nationalsozialistischen Trachtenpflege. In: Helge Gerndt( Hrsg.), Volkskunde und Na-tionalsozialismus(= Münchner Beiträge zur Volkskunde, Band 7). München 1987, S. 205-
213.
58 H. Rauscher, Volkskunde a.a.O., S. 45.
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59 Vgl. das Literaturverzeichnis in Marianne Fidi, a.a.O., S. 178- 190.
60 Die Dissertation entstand auf Anregung und unter der Anleitung von Arthur Haber-landt. Als Richard Wolfram 1939 zum Direktor des neugegründeten Instituts für germanisch-deutsche Volkskunde an der Universität Wien ernannt wurde, gingen viele Dissertanten Ha-berlandts zu Wolfram über, der ein neues, durch ihn genehmigtes Thema verlangte.