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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Vom Leben auf dem Dorf

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Die Hochzeiten fanden hauptsächlich in der für den Bauern ruhigeren Zeit imWinter und Frühjahr statt, vornehmlich im Fasching. Man sieht dies an der winter-lichen Kleidung der Hochzeitsgäste, wobei die älteren Frauen immer noch die war-men, über die Schulter reichenden Gugeln tragen, allerdings zu diesem festlichen An-laẞ in einer hellen Farbe, statt der gewöhnlichen schwarzen für den Alltag. Die fest-liche Kleidung für das Brautpaar selbst besteht für den Bräutigam aus einem schwar-zen Anzug, die Bräute tragen auf allen Fotos noch die meist grün, braun oder violettchangierenden seidenden Hochzeitskleider, welche im 19. Jahrhundert in ganz Nie-derösterreich üblich waren. Dazu wurde meist ein weißer Schleier getragen. Die wei-Ben Glossar ::: zum Glossareintrag Ben Hochzeitskleider setzten sich erst nach dem Ersten Weltkrieg durch.

4.3.1.2. Vorhochzeitliches Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum

Kommt im Waldviertel Besuch in ein Haus, in dem eine heiratsfähige Tochter ist,muß sich dieser manchmal wundern über die Unordnung in der Stube, in der er emp-fangen wird. Da stehen Schubladen und Kastentüren offen und das gute Gewandliegt auf Betten und Sesseln herum. Ja, der Gast soll nur den Reichtum des Hausessehen und sich dadurch ein Bild machen können von der Größe der Ausstattung!Und wenn er selbst nicht als Bräutigam in Frage kommt, soll er das Gesehene seinerFreundschaft weitererzählen.

Macht sich ein Mädel in Franzen beim Waschen die Schürze naẞ, bekommt sieeinen betrunkenen Mann. Geht das Schürzenband auf, ist der Schatz untreu.

Folgender Brauch wird in Plöttbach geübt: Zu Weihnachten backen alle Bäuerin-nen den Rauhwuzl". Sie verwenden dazu Roggenmehl und Milch. Bekommt eineJungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau in neun Häusern je einen Rauhwuzl geschenkt, so wird sie im kommendenJahr heiraten. Vor jeder Tür sagt sie das Sprücherl:

zel.

Ich muß doch schaun,

daß i neun z'samm kriag,

damit i an Mann kriag.

Anstelle des Rauhwuzl tritt in manchen Gegenden ein runder Kletzenbrotstrie-

Rockagsanga" aus Äpfelgschwendt: 63

Alliweil traurig sein

tut goar kan gut

und i muẞ amal lustig sein,mocht a frisch's Blut.

Unser Herrgott meint's gut

hat die feschn Dirndln aufbracht

und der Teufel, der Teufel,

hat die alten Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber draus gmacht.

63 Die Rockenstuben werden hier als Treffpunkt der jungen unverheirateten Leute zitiert,

in der sich eventuelle spätere Ehen anbahnen.