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Das Tatauierungswesen im heutigen Europa
Entstehung
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Ueber Wesen, Bestand und Biologie der Tatauierung.

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namentlich bei Anwendung von kühlen Umschlägen geht die Reizung in wenigen Tagenvöllig zurück.

Auf diese biologischen Vorgänge wird auch ein in mehrfacher Hinsicht wichtigerBefund zurückzuführen sein, nämlich ein Depot vom verwendeten Farbstoff in dennächstgelegenen Lymphdrüsen. Auf dem Wege der Lymphgefäße gelangen Farb-partikel dorthin und überschreiten merkwürdigerweise diese Station nicht, so daß aufGrund solches Befundes ein Schluß auf den Sitz einer ehemaligen Tatauierung gezogenwerden kann. Soll also etwa eine Narbe von einer künstlichen Beseitigung einer Tatau-ierung kriminell wäre ja etwas Derartiges leicht denkbar herrühren, so wird einesolche Vermutung eine Bestätigung dadurch erhalten können, daß in den nächst be-nachbarten Lymphdrüsen eine Imprägnierung mit entsprechenden färberischen Sub-stanzen erfolgt ist.

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Wenn nun eine Entzündung jede Tatauierung in den ersten Tagen begleitet,so gibt es eine ganze Reihe weiterer Schädigungen, welche durch die Prozedurder Hautpunktierung gelegentlich entstehen und sich unliebsam auswirken können.

In erster Linie sind unangenehme Folgeerscheinungen dann zu erwarten, wennunsauber gearbeitet wurde, sei es daß die Hautstelle mit Schmutz bedeckt und daherreich an pathogenen Keimen war, sei es daß die Instrumente unsauber, nicht geputztund nicht sterilisiert wurden oder daß, wie dies manche Tatauierer an sich haben, diePunktiernadeln mit Speichel angefeuchtet wurden; oder wenn mit demselben gebrauchtenungereinigten Instrumentarium mehrere Einpunktierungen kurz hintereinander erfolgten.

Auch die Beschaffenheit des Tupfmaterials ist beachtlich. Unter solchen un-hygienischen Bedingungen können durch das Tatauieren Eitererreger in die Hauteingeimpft werden, wonach in der Folge Furunkel, Abszesse und schwere Zellgewebs-entzündungen mit sich anschließender Vereiterung entstehen können. Rotlauf, Wund-rose und lebensbedrohliche Blutvergiftungen treten bisweilen daraufhin ein. Häufig ent-wickeln sich unter den gleichen Umständen Lymphgefäßentzündungen mit Beteiligungder nächst gelegenen Lymphdrüsen, deren Vereiterung möglich ist.

Durch die üble Angewohnheit, die Nadeln anzulecken, kann von einem krankenTatauierer Tuberkulose auf ein bis dahin gesundes Individuum übertragen werden;es entsteht wohl am häufigsten eine lokale Impftuberkulose unter dem Bilde der Tuber-culosis cutis verrucosa oder des Leichentuberkels. Aber bei disponierten Menschenkann auf solchem Wege auch eine allgemeine Miliartuberkulose ausgelöst werden.

Nicht minder verhängnisvoll gestaltet sich die Auswirkung der gerügten Unsitte,wenn der Tatauierer etwa an florider Syphilis leidet. Es brauchen nach neuerenAnschauungen nicht einmal greifbare krankhafte Erscheinungen an den Lippen oder inder Mund- Rachenhöhle vorhanden zu sein, und dennoch kann Syphilisgift sich dort be-finden und bei der Tatauierung in geradezu schulgerechter Weise in die gesunde

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