45
zum Beispiel in Gossensaß( Nordtirol), St. Antonien( Prätigau, Schweiz),Val de Cogne( Piemont), um hier nur einige zu erwähnen. Da dieWege zu den hochgelegenen Stadeln in diesen Gegenden schmal undsteil sind, muß man auch hier das Heu im Winter ohne Schlitten insTal befördern. Die dabei verwendeten Geräte beruhen zwar auf ähn-lichem Prinzip wie diejenigen von Bessans, sind aber einfacher.
In Gossensaß heißt das Gerät zum Binden von Heu, Reis".1)( Taf. VI, Fig. 9 und 10.)Es besteht aus drei etwa 250 cm langen Holzstangen, die oben in einen Querstab ein-gelassen sind, während sie unten von einem anderen Querstab gekreuzt werden. An jedemEnde ist ein kleiner, aus Weidenruten geflochtener Bügel( Wiede) angebracht, dereneiner mit Holzschlaufe( spohl) versehen ist.( Taf. VI, Fig. 9.) Das Heu wird nun aufdieses Gerät gehäuft und hierauf mit einem langen Strick gebunden, der gleichfalls einen" spohl hat.( Taf. VI, Fig. 10).
Im Cognetal( Piemont) bindet man das Heu mittels dreier mit Holzschlaufen ver-sehenen Stricke, die so angeordnet sind, daß der eine von den zwei übrigen gekreuzt wird;das Heu wird nun zuerst mit dem Längs- und hierauf mit den beiden Querstäben fest-gebunden. 2)
In St. Antonien( Prätigau) besteht das Gerät nur aus zwei Stricken. Der eine istim Zickzack durch fünf Holzringe gezogen, der andere liegt quer darüber.3)( Taf. VI,Fig. 8.) Das Heubündel wird hier in folgender Weise hergestellt: Man häuft auf das aus-gebreitete Gerät eine größere Menge Heu und zieht das Ende des im Zickzack liegendenStrickes durch den ersten Ring. Dann wird eine weitere Schicht Heu hinzugefügt und dergleiche Strick durch den zweiten Ring gezogen. So fährt man fort, bis der betreffendeStrick durch alle Ringe gezogen worden ist. Schließlich wird das Heu mit dem Längs-strick festgebunden. Die Form des fertigen Bündels erinnert sehr an diejenige aus Bessans.
b) Alpwirtschaftlicher Betrieb.
Die Alpwirtschaft hat in Bessans bisher nur wenig Änderungenerfahren und ihr Betrieb ist noch recht primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag primitiv. Die Bewirtschaftungs-form ist die der Einzelalpung, das heißt, es ist jedem Bauern, der seinVieh auf der Alpweide läßt, gestattet, eine Sennhütte zu bauen, dieer mit seiner Familie im Sommer bewohnen kann. Ferner stellt jederHaushalt seinen ganzen Bedarf an Butter und Käse selbst her.
Da der gesamte Weidegrund in Bessans Gemeindebesitz ist, mußjeder Bauer für das Recht, sein Vieh auf den Almen weiden zu lassen,der Gemeinde einen ganz kleinen Betrag als Weidetaxe entrichten.Alles, was die Weidewirtschaft betrifft, unterliegt bestimmten Vor-schriften, welche sich in den letzten zwei Jahrhunderten nur weniggeändert haben.
Schilderung der einzelnen Alpstaffeln.
Die Alpen von Bessans liegen, wie bereits erwähnt, zum Teilin den Quertälern, zum Teil auf Hochplateaux und sind nach ihrerHöhe in zwei Hauptstaffeln gegliedert, die im Sommer sukzessive bewohnt werden.
1) E. Rehsinger: Zeitschr. des Vereines für Volkskunde. 1891.2) Dr. F. G. Stebler: Alp- und Weidewirtschaft. Berlin 1911.3) Daselbst, S. 220.