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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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Nutztiere.

2. Alp- und Weidewirtschaft.

a) Wiesenwirtschaft.

Bevor die mit der Alpwirtschaft zusammen-hängenden Beschäftigungen besprochen werden, sei hier noch Einigesüber die Nutztiere vorausgeschickt.

Nach der Viehzählung im Jahre 1913 waren in Bessans 1220 Stück Rindvieh und3700 Stück Kleinvieh.

Widder und Schafe

Ziegen

Kühe

.

RinderKälberStiere

3200

500

500

500

200

20

Außerdem besitzt jeder Haushalt mindestens 1 Esel und manche auch Maultiere,was für die ganze Gemeinde 250 Esel und etwa 30 Maultiere ergibt.

Das Vieh wird hauptsächlich für den Markt gezüchtet; als Absatzgebiet dient dieTarentaise, die Mittlere und Niedere Maurienne, das Susatal( Piemont).

Da das im Sommer eingebrachte Heu nicht ausreicht, um die zahlreichen Herdenwährend des langen Winters zu ernähren, schicken viele Bauern einen Teil derselbenzur Überwinterung nach dem Piemont( Susatal) und nach der Unteren Maurienne.Das Vieh wird Ende Oktober hinabgetrieben und Ende Mai von seinen Besitzern wiederabgeholt. Die Gegenleistung, die von den Bauern für die Aufnahme des Viehes verlangtwird, ist nicht unbeträchtlich. Für das Überwintern einer Kuh beansprucht man das Kalbund die Milch, für ein Schaf das Lamm und für einen Widder die Wolle. Unter diesenUmständen entspricht oft der Gegenwert nicht der Bezahlung und daher macht sich inBessans das Bestreben, Äcker in Wiesen umzuwandeln, immer mehr geltend.

Derartige Viehwanderungen für die Wintermonate finden auch in einigenanderen Alpenländern, die an niedriger gelegene Ortschaften grenzen, statt. Aus demgroßen Walsertal( Vorarlberg) und aus dem Bregenzerwald wird das Vieh für den Winternach Bayern und in das St. Gallener Rheintal, aus manchen Gegenden Kärntens sogarnach Italien getrieben.¹)

Um die Schafe und Ziegen, die über den Winter fortgeschickt werden und imSommer auf den Alpen frei weiden, gegebenenfalls wiedererkennen zu können, machtman ihnen wie anderwärts an den Ohren Einschnitte und bohrt auch kleine Löcher miteinem Durchschlageisen, beziehungsweise einem hohlen Eisenstäbchen hinein; in neuererZeit werden hie und da auch die Initialen der Besitzer in die Ohren eingeschnitten.

Diese Ohrenzeichen dienen auch zur Kontrolle, wenn ein Tier während seinerÜberwinterung in einem fremden Ort eingeht; in diesem Falle muß dem Eigentümer dasFell mit dem gemerkten Ohr vorgelegt werden.

Die Sitte, die Ohren der Haustiere durch Einschnitte und kleine Löcher zu be-zeichnen, ist in den Alpenländern sehr verbreitet. Wir finden sie, um nur einige Bei-spiele zu nennen, in Graubünden, 2) in Wallis,) in Tirol, ja auch in Norden bei denLappen Glossar ::: zum Glossareintrag Lappen. Man begegnet diesen Ohrenzeichen auch außerhalb Europas, zum Beispiel inAfrika bei den viehzüchtenden Waschamba und den Massai.

Düngen und Bewässern der Wiesen. Während sämt-liche Weiden in Bessans der Gemeinde gehören, sind Äcker und

1) Dr. F. Stebler: Alp- und Weidewirtschaft. Berlin 1903. S. 208.

2) Emil Wettstein: Zur Anthropologie und Ethnographie des Kreises Disentis.Zürich 1902. S. 134-138.

3) F. G. Stebler: Die Hauszeichen der Schweiz. Schweizerisches Archiv für Volks-kunde. 1907.