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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXV/ 114, 2011, Heft 3
oder halbbewusst mit den Assoziationen zwischen Klammeräffchenund Indianermama Glossar ::: zum Glossareintrag Indianermama spielt. Und damit impliziert das Tragetuch immerauch eine Anfrage an alle diejenigen, die mit dem Kinderwagen un-terwegs sind und provoziert eine Auseinandersetzung mit den Refe-renzpunkten unserer eigenen Identität: Wo stehen wir und wer wollenwir eigentlich sein? Daher und nur daher lassen sich auch die teilweisegiftigen Kommentare erklären, über die aus den 1970er Jahren berich-tet wird und die auch in Leserzuschriften der Zeitschrift Eltern doku-mentiert sind: In Äußerungen wie» Wir brauchen kein Tragetuch, wirhaben eine Oma für das Kind«< 36 wird unverstellt sichtbar, wie das Tra-getuch als Ausdruck von Randgruppendasein, Armut oder Rückstän-digkeit gelesen wurde. Das Rumtragen wird als Notbehelf gedeutet,die Assoziation, dass das Kind im Tragetuch» wie ein Stück Gepäck«<transportiert werde, es zugehe wie beim fahrenden Volk oder in derdritten Welt Glossar ::: zum Glossareintrag Welt, wenn auch nicht explizit ausgesprochen, so doch viel-leicht mitgedacht und ebenso abgewehrt wie der Primat in uns. Diesgilt auch für die Episode, von der Eltern- Leserin Sabine Decker ausNürnberg im Jahr 1979 berichtet:» Eines Morgens in der Straßenbahn.Mir gegenüber saß eine ältere Frau. Bevor sie ausstieg, steckte sie miretwas in das Tragetuch und flüsterte:> Das ist für das Kind.<< Zu Hau-se stellte ich fest, dass es zehn Mark waren. Sicherlich sollte es derGrundstock für einen Kinderwagen sein.<< ³7
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Das als fremd Wahrgenommene verunsichert, fordert heraus undprovoziert eben deshalb weil es das vermeintlich Selbstverständlicheals eben nicht zwingend und selbstverständlich thematisiert und damitsubtil in Frage stellt. Die Irritation wird hier in Mitleid gewendet, dasAlmosen unterwirft zugleich die Beschenkte als inferior und dient derGebenden als Selbstversicherung, so etwas- zum Glücknicht nö-tig gehabt zu haben. Die Identitätsdebatte ist hier in vollem Gange,es geht um Generationenkonflikte, um alternativ vs. konservativ, umModernität und ihre Kritik, um Technik und ihre Vermeidung bzw.ihre Favorisierung. Das Tragetuch ist Low Tech, einfach und altherge-bracht, wird moralisch positiv besetzt und 1972 auch noch als oppositi-onell und gleichzeitig innovativ präsentiert. Diese Konnotation hat das
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Erika Hoffmann berichtet, dass ihr anfangs in Massenbachhausen Sätze wie die-ser entgegengebracht wurden.
Eltern 5, 1979, S. 152.