Interview
57. Jahrgang
"
. Wir sind einfachverzaubert vom Audio.
Wir sind Audio- verrückt."
Im Interview sprechen die Audio- Künst-ler* innen Evelyn Blumenau und WalterKreuz über das Projekt„ APROPOS OBJEKTE"und was herauskommt, wenn man imMuseum der eigenen Denkmaschine Raumund ein Aufnahmegerät gibt.
Als Kunstschaffende- als Audiokunst-Kollektiv gecko art- seid ihr ja vor allemim Medium Audio unterwegs. Wie seidihr dazu gekommen?
Walter: Wir kommen beide vom Theater.Evelyn ist auch Sängerin und Musikerin.Wir haben uns in den späten 80er- Jah-ren im Theater Spielraum kennengelernt.Einmal haben wir beide einen Workshopbesucht bei dem es darum ging, dasInszenierte nicht darzustellen, sondernnur hörbar zu machen. Daraus wurde eineHörgeschichte, also ein Theaterstück, dasman nur hören konnte. Von da an warenwir regelmäßig unterwegs und haben mitdiesem Ansatz weiter gearbeitet. Mit einemguten Aufnahmegerät ausgestattet habenwir in Wien, Österreich und darüber hinausProjekte gemacht, bei denen es um dasHören und Vertonen ging. Wir haben mitJugendlichen und Erwachsenen in verschie-denen Settings gearbeitet und waren auchdamals schon in Museen tätig. Einmal ginges dabei auch um das Hören und Riechen,zwei Ebenen, die in Museen eigentlich kaumbeachtet werden. Dieses Vertonen vonObjekten und Artefakten hat also damalsschon begonnen. Und dem sind wir bisheute treu geblieben.
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Was kann Audio, was andere Mediennicht können?
Evelyn: Audio ist sehr leicht zugänglich,das ist auch das Verlockende daran. DieStimme liegt einem nahe. Natürlich kannman heute ganz leicht auch mit Videoarbeiten. Audio macht es einem aber nachwie vor einfacher, sich etwas auszudenkenund mit den einfachsten Mitteln ganzeKunstwerke zu schaffen. Während ich beivisuellen Medien, wie etwa Video, auf vieleDinge achten muss, z. B. das Licht, undich sehr viel Vorwissen brauche, um insProduzieren zu kommen. Natürlich braucheich auch in der Audio- Produktion gewisseKenntnisse- vor allem was die Aufnahmeund den Schnitt betrifft- es ist aber eineunmittelbarere Form, da man direkt mit derStimme arbeitet. Aber das ist natürlich auchGeschmackssache[ lacht]. Ich selbst bineinfach von einer Stimme immer mehr ein-genommen und ich habe darin auch meinekünstlerische Heimat gefunden. In unserergemeinsamen Arbeit als gecko art bin ichimmer wieder erstaunt, dass uns laufendwas neues einfällt, wir nicht stagnieren,denn Audio ist so inspirierend. Ich hätte vor20 Jahren selbst nicht gedacht, dass ichheute noch Audio- Kunst machen würde.Walter: Es klingt zwar schon sehr abge-droschen, aber Audio erzeugt ja wirklichVorstellungen im Kopf. Das ist schon fastsynästhetisch, was hier passiert. Es ist kaumreproduzierbar, was der Kopf hier allessehen kann, wie ganze Welten entstehenkönnen, dreidimensional und beweglich!Man ist beim Audio einfach auch mehr beisich. Wenn ich ein Hörspiel höre, dannstelle ich mir die Räume mit meinen Gedan-ken vor und jemand anderes mit anderenGedanken. Beide füllen wir aber denselbenRaum. Hier vermischt sich Diversität undEinheitlichkeit.