Schaufenster
54. Jahrgang
Prof. Dr. Klaus Beitl zum 90sten
Als Epochenverschlepper" hat ReinhardJohler in Abwandlung eines treffendenWortes Gregor von Rezzoris Klaus Beitl inseiner Festansprache zum 70. Geburtstag1999 bezeichnet. Wie soll man heute einennennen, dessen erste Spuren in diesemFach in eine Zeit zurückgehen, als diesesgerade erst auf die Hälfte seiner institu-tionalisierten Geschichte in Österreichzurückblicken konnte?
Am 29. März beging der ehemaligeDirektor des Österreichischen Museumsfür Volkskunde( 1978-995), langjährigerPräsident des Vereins für Volkskunde inWien und Schriftleiter der Österreichi-schen Zeitschrift für Volkskunde, seinen90. Geburtstag. Auch 25 Jahre nach seinerPensionierung ist Klaus Beitl ein mobilerMakler zwischen den Welten. Er konntedamals ein mehr oder weniger von Grundauf saniertes Haus- mit einer entgegenallen Plänen nunmehr auch bereits einVierteljahrhundert bestehenden NeuenSchausammlung und einen erstarktenVerein als öffentlichen Resonanzraum desMuseums hinterlassen. Franz Grieshoferund Margot Schindler, die ihm in derDirektion folgten, haben sein umfassendesWirken als Netzwerker in Wissenschaft undPraxis mit der Herausgabe einer gewich-tigen Festschrift ,, Netzwerk Volkskunde"( 1999) gewürdigt.
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Privat immer noch jahreszeitlich zwi-schen Wien, Schruns und Schwaz ,, nomadi-sierend( wie er selbst gerne sagt) und bisvor kurzem gerne auf großen Reisen unteranderem zur weit verstreut lebenden Fami-lie, ist Klaus Beitl bis heute auch fachlichaktiv geblieben. Ein klares Fachverständnisim Sinne einer nach 1945 modernisierten
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Volkskunde und ihrer älteren Wissensbe-stände verbinden sich dabei mit einemräumlich und intellektuell weiten Horizont.Waren es zunächst vor allem die nach 1989bedeutsam gewordenen Kontakte zu denVolkskunden und Museen der östlichenNachbarländer und die Beziehungen zurseit seinen Studienjahren in Paris gepfleg-ten Ethnologie Française, so ist in denletzten Jahren die Pflege des Gedächtnis-ses von Fach und Familie- und damit derMontafoner Themen- in den Vordergrundgetreten. Klaus Beitl hat sich nicht zuletztin archivarischer Manier der Hinterlassen-schaften im Schrunser Haus angenommenund die reichen Materialien unter anderemaus dem Nachlass seines Vaters RichardBeitl wohlgeordnet den passenden Archivenin Berlin und Bregenz überlassen. Auch ausdem Fundus des eigenen langen Forscher-lebens kann er bis heute schöpfen; soentstanden sowohl neue Beiträge als auchEditionen von Material, deren Bearbeitungihm in der aktiven Zeit im Museum zeitlichverwehrt geblieben war.
Klaus Beitl hat sich trotz mancher vonihm stets treffend reflektierten Mühen desAlters vor allem auch intellektuellen Witz,persönlichen Charme und akademischeGelassenheit bewahrt, lauter Eigenschaften,mit denen es sich offensichtlich glücklichaltern lässt. Mögen sie ihm, möge er unsnoch lange erhalten bleiben- ad multosannos!
Bernhard Tschofen, ZürichUniversität Zürich, ISEK- Institut fürSozialanthropologie und EmpirischeKulturwissenschaft- Populäre Kulturen