Heft 
57 (2022) 4
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Was ist los im Verein?

57. Jahrgang

Unterwegs mit dem VereinBericht von der Tagesfahrt insSüdburgenland vom 9. Juni 2022

Ein Ausflug mit viel Stoff zum Nachdenken!Unser erstes Ziel war die GedenkstätteKreuzstadl in Rechnitz. Wir trafen dortWalter Reiss vom Verein RE.F.U.G.I.U.S, einehemaliger ORF- Journalist der Landes-redaktion Burgenland. Dieser Verein hatsich vor 30 Jahren zum Ziel gesetzt, derEreignisse rund um die Erschieẞung vonetwa 200 ungarisch- jüdischen Zwangsar-beiter* innen im März 1945 durch SA- Führerund Vertreter der Kreisleitung zu gedenken.Der Verein pflegt das geschaffene Mahn-mal als Ort der Auseinandersetzung mitder Geschichte und hält die Erinnerung andie Ereignisse lebendig. Trotz wiederhol-ter Bemühungen konnten die Gräber derErmordeten bisher nicht gefunden werden,da die Ortsangaben der wenigen überle-benden Zeug* innen zu vage sind.

Der Regen ließ uns von der Gedenkstätteins Gemeindeamt übersiedeln, wo uns Wal-ter Reiss und Engelbert Kenyeri, ehemaligerBürgermeister der Gemeinde Rechnitz,anhand einer Präsentation weitere Detailsüber den Einsatz ungarischer Juden beim

Vereinsfahrt ins Südburgenland, Foto: Susanne Bezdek

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Südostwallbau 1944/45 erzählten. Beim Bauder Schützen- und Panzergräben entlangder ungarischen Grenze starben tausendeZwangsarbeiter* innen an den Folgen derunmenschlichen Arbeits- und Lebensbe-dingungen oder wurden ermordet.

Im Anschluss stärkten wir uns im GasthausSchlossberg- übrigens das Geburtshaus vonGustav Pick, des Dichters und Komponistendes Fiakerliedes:" I führ zwa harbe Rappen".Dieses wurde bekannt durch die Förderungvon Graf Johann Wilczek, dessen Schach-spiel in der Dauerausstellung des Volkskun-demuseums zu sehen ist.

Danach fuhren wir vorbei am jüdischenFriedhof nach Stadtschlaining zur Jubilä-umsausstellung 100 Jahre Burgenland.Die imposante Burg mit Bauteilen aus dem15. bis in das 18. Jahrhundert wurde vorzwei Jahren restauriert. Der erste Stock hatbesonders prächtige Stuckdecken, sonst istvon der originalen Einrichtung, abgesehenvon schönen Öfen, nicht mehr viel übrig.Vom 16. bis in das 19. Jahrhundert gehörtedie Burg der Familie Batthyány und ist nunim Besitz des Landes Burgenland. Sie beher-bergt das Österreichische Studienzentrumfür Frieden und Konfliktlösung und ist daherauch als Friedensburg Schlaining bekannt.

Zwei Vermittler führten die Gruppe sehrpointiert und kompetent durch die Aus-stellung, die die Entwicklung des jüngstenBundeslandes seit 1921 zeigt. Einerseitswerden in der Jubiläumsausstellung anhandsignifikanter Objekte chronologisch wichtigeEreignisse präsentiert: von der Identitäts-findung und dem Friedensvertrag von St.Germain, der die neuen Grenzen nachdem 1. Weltkrieg regelte, über das Gewehr,mit dem 1927 die Schüsse in Schattendorfabgegeben wurden, bis zur Drahtschere, mitder 1989 Alois Mock den Stacheldraht amEisernen Vorhang durchtrennt hat. Beein-