Heft 
57 (2022) 4
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Ausstellungen

57. Jahrgang

Vor der WegwerfgesellschaftReparierte Objekte ausden Sammlungen desVolkskundemuseum Wien

Sa, 15.10. bis So, 6.11.2022

Jahrhundertelang war es Usus, kaputteGegenstände des täglichen Lebens zu repa-rieren. Egal, ob es sich um ein beschädigtesWerkzeug, eine fehlende Schraube, einenRiss im Material, ein Loch im Gewand oderum einen abgerissenen Knopf handelte.

Das Wissen und die Fertigkeiten zurReparatur wurden ganz selbstverständlichvon Generation zu Generation weiterge-geben, denn sie waren nicht nur für armeBevölkerungsschichten von existenziellerBedeutung. Einfache Ausbesserungsarbei-ten wurden selbst durchgeführt, und imZweifelsfall wurde improvisiert. KomplexeReparaturen wurden hingegen Handwer-kerinnen und Handwerkern anvertraut, dieüber die dafür notwendigen Werkzeuge undvor allem über das notwendige händischeKönnen verfügten.

Das Volkskundemuseum Wien ist einesder großen internationalen ethnographi-schen Museen mit umfangreichen Samm-lungen zur Volkskunst sowie zu historischenund gegenwärtigen Alltagskulturen Europas.Seine vielfältige Sammlung umfasst über300.000 Objekte. Darunter befinden sichzahlreiche reparierte Dinge, zum BeispielMöbel, Haushaltsgegenstände, Werk-zeuge und Bekleidung. Die AusstellungVor der Wegwerfgesellschaft präsentiertausgewählte geflickte Objekte der Samm-lung aus Textil, Keramik und Holz von derRenaissance bis zur Gegenwart. Beispiels-weise wird eine karierte Stoffhose aus derBiedermeierzeit gezeigt, die unzählige Malegeflickt wurde. Ihr wird eine Jeans gegen-übergestellt, die der Direktor des Museums,Matthias Beitl, immer wieder ausbesserteund für deren Erhalt er sich selbst dasNähen beibrachte.

Zwei interessante Beispiele für repa-rierte Werkzeuge sind eine verzierteSichel aus Südtirol und ein hölzernerWäschepracker, der die Datierung 1854trägt. Besonders spannend ist die histori-sche Reparaturtechnik der Rastelbinder.Die ausgestellten Keramikschalen wurdennicht einfach geklebt, sondern mit einemDrahtnetz instandgesetzt und zusammen-gehalten. Diese spezielle Technik wurde vonslowakischen Drahtbindern ausgeführt. Siebereisten mit ihrem Können die gesamteDonaumonarchie und gehörten auch inWien zum Stadtbild.

Alle Objekte der Ausstellung zeigen ein-drückliche Gebrauchsspuren und eine spe-zielle Patina, die durch vielfache Nutzungund oftmaligen Gebrauch entstanden ist.

Reparierte Stofftasche, ÖMV/ 46.649Foto: Christa Knott

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Kuratiert von Tina Zickler und Claudia Peschel- Wacha,im Rahmen des re: pair FESTIVAL