Heft 
56 (2021) 3
Einzelbild herunterladen
 
  

3/2021

Ausstellungen

Die Dauerausstellung

,, Die neue Schausammlung" ist der Momentder institutionellen Ankunft, der Selbstver-gegenwärtigung des Museums, das ideelleZiel musealer Sammlungen. Im Volkskunde-museum Wien kam man zuletzt im Jänner1994 an. Mit der Eröffnung der neuenSchausammlung ging eine mehr als zehnJahre dauernde Phase von Bautätigkeiten,Erweiterungsideen und alternativen Stand-ortüberlegungen zu Ende.

Präsentiert wurde eine deutliche Ent-koppelung der Objekte von erwartbarenKonzepten wie Regionalität, Technik oderChronologie. Diese Dekonstruktion volks-kundlichen Erzählkanons- gerade auch inder Ausstellungsarchitektur- rief zahlreichegegenläufige Reaktionen hervor.

Diesem Gestaltungsansatz kam einelange Haltbarkeit zu, wie sich aus heutigerSicht mehr als 25 Jahre später- zeigt. Dienach wie vor existierende Schausammlungeignet sich in ihrer abstrahierenden undreflektierenden Konzeption nach wie vorals Diskursraum.

Vermittlungsangebote nutzen dieSchausammlung, um Forschungsaktivitätentransparent zu vermitteln: Die Küsten Öster-reichs, die Provenienzforschung im Museumund das Soja- Forschungsprojekt stehenjeweils in engem Bezug zur Schausammlungund zeigen ihre Potenziale und Grenzen auf.

Das Begleitbuch zur Schausammlung ist in denOnline Publikationen kostenlos downloadbar:www.volkskundemuseum.at/onlinepublikationenoder über das Museum zu beziehen:

buchbestellung@volkskundemuseum.at

Die Küsten ÖsterreichsDie neue Schausammlung desVolkskundemuseum Wien

Überarbeitete Dauerausstellungen sind inden ethnologischen Museen Europas zurzeitein Muss. Im Museum in der Laudongassehat eine Gruppe von externen Kurator* in-nen alle im Asylverfahren- aber nichtnur ein Update der bestehenden Samm-lung gemacht, sondern auch einen neuenObjektbestand eingearbeitet. Als relevanteArtefakte der österreichischen Volkskundegelten neben Kleiderschränken aus TirolerBauernhäusern nun auch gepackte Reise-taschen, die bei der Mittelmeerüberfahrtzurückgelassen werden mussten. Die neuenObjekte legen Zeugnis dafür ab, wie Europaund Österreich zu Beginn des 21. Jahrhun-derts funktionieren.

Eine kaputte Schwimmweste als Muse-umsstück? Sammlungsobjekte der Volks-kunde sind zu einem großen Teil genuinwertlos", erklärt das kuratorische Team:,, Erst durch Interpretation und Kontextua-lisierung erhält das Objekt seinen sammle-rischen Wert. Vielleicht bringen ja geradediese Sammlungsstücke- gefunden an denKüsten Europas- den Museen ihre ersehnteeuropäische Identität ein. Denn dort, woRegierungen und Grenzschutz die Schottendicht machen wollen, hat Europa so klareKonturen wie nirgendwo sonst.

Das Begleitbuch zur Ausstellung ist in denOnline Publikationen kostenlos downloadbar:www.volkskundemuseum.at/onlinepublikationenoder über das Museum zu beziehen:

buchbestellung@volkskundemuseum.at

13