in eine Fabrikhalle transportieren mussten. Siedurften nichts behalten.
Inzwischen war die Schwiegertochter herein-gekommen und hat aus einem Packpapier diealte Uhr ausgepackt und hat gesagt:„ Aber dieUhr haben wir nicht abgegeben. Wenn einmaljemand kommt." Und so haben sie uns die Uhrüberreicht, weil wir gekommen sind: ,, Wir habendiese Uhr hängen lassen an der Wand, wirhaben sie auch aufgezogen, aber sie ging nicht.Und im Jahre 48 haben wir plötzlich gehört, dieUhr schlägt – ding, ding, ding. Das war alles,
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sonst nichts, nur geschlagen." Und die Frau hatgesagt:„ Wir haben damals gedacht, vielleichtist jemand gestorben." Und wirklich ist meinOpa 1948 in Wasserburg am Inn in Bayern imKrankenhaus gestorben.
Und dann haben wir die Uhr mitgenommen. Ichwollte sie meinem älteren Bruder geben, aber erhat gesagt: ,, Nein, die gehört dir." So hab ich siemitgenommen nach Garmisch Partenkirchen,wo ich damals wohnte. Am zweiten Tag habeich die Uhr auf den Tisch gelegt, sie aufgemachtund das Uhrwerk herausgenommen. Ich habemit Nähmaschinenöl, mit feinem Öl einige Teilegeölt, weil ich dachte, dann geht sie vielleicht.Dann hab ich die Uhr wieder zusammengebaut.Ich hatte einen schönen festen Haken in dieWand gemacht, wo ich die Uhr haben wollte.Ich hab sie angeschlagen und sie hat getickt-und ist stehengeblieben. Das hab ich sechs odersieben Mal versucht. Sie hat getickt und bliebstehen. Dann hab ich mir gesagt, gut, dannmuss ich sie zu einem Uhrmacher bringen, aberich konnte sie nicht gleich bringen, weil ich amnächsten Tag zu einer Tagung musste. Es kamallerdings mein älterer Sohn mit seiner Frau zuBesuch und blieb während meiner Abwesenheitim Haus.
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Als ich nach drei Tagen wiederkam und die Türaufgesperrt hatte, kommt mein Sohn mir gleichentgegen, ganz aufgeregt:„ Komm, komm,komm!" ,, Mach das doch nicht so aufgeregt,was ist denn los?" –„ Ja komm, komm, komm,wir müssen dir was zeigen." Und er führt mich insWohnzimmer und die Uhr geht. Und er sagt mir:" Wir saßen am Morgen nach Deiner Abreise inder Küche beim Frühstück..."- sie waren nichtim Wohnzimmer, sondern saßen beim Frühstückim Gästezimmer- ,, und wir hören plötzlich, daschlägt' was im Wohnzimmer, und wir kommen
ins Wohnzimmer und die Uhr geht."
Diese Uhr wollte nicht von mir bewegt werden.Diese Uhr wollte mir beweisen, jetzt ist sie zuHause. Jetzt gehe ich, alleine." Für mich einWunder. Und seitdem geht diese Uhr. Bei allenUmzügen, die ich in der Zwischenzeit gemachthabe, musste man sie mitnehmen. Ich häng siehin, ich zieh auf, ich mach' an und sie geht undsie geht und sie geht.
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Das ist die Geschichte dieser Uhr. Und deswe-gen ist sie mein wertvollstes, schönstes, wich-tigstes Möbelstück diese Uhr von meinenGroßeltern und von dieser Frau, die gesagt hat,, wenn einmal jemand kommt". Diese liebe FrauKopecnová ist in der Zwischenzeit längst gestor-ben und auf dem Grabstein steht geboren1899, und gestorben 19... im Januar", nachdemsie 100 Jahre alt geworden ist.
Georg Traska
Kurator der Ausstellung„ Vertriebene undVerbliebene erzählen. Tschechoslowakei 1937-
1948"
10. Februar bis 10. April 2016 imVolkskundemuseum
Jänner- Februar 2016
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