LIEBLINGSOBJEKT
Zeitenläufe und das Schweigen und Schlagen einer Uhr
Horst Kaller und die Pendeluhr seiner Großeltern, Video- Still
Horst Kaller, 1940 in Jägerndorf/ Krnov( heuteTschechien, damals Protektorat Böhmenund Mähren) geboren und 1947 nach West-deutschland vertrieben, erzählt im Interviewdie Geschichte einer Uhr. Sie spannt die langeBrücke über die Zeit von Vertreibung undWiederkehr.
Das Interview führte Kristýna Hlavatá von Anti-komplex( Prag) im Rahmen des Projekts„ Brin-ging Together Divided Memory. Czechoslova-kia, National Socialism and the Expulsion of theGerman Speaking Population" im März 2015.Die 40 Interviews, die in diesem Projekt geführtwurden, werden ab 10. Februar 2016 in derVideoinstallation„ Vertriebene und Verbliebe-ne erzählen. Tschechoslowakei 1937-1948" imVolkskundemuseum verarbeitet.
Diese Uhr Es ist mein wertvollstes und wichtigstes
Möbelstück. Nach dem, was ich bei meinemzweiten Besuch in dem kleinen Häuschen meinerGroßeltern Kaller erlebt habe. Ich hatte michangemeldet und dann hat mir die liebe Damegesagt, oh, sie spreche ganz wenig Deutsch.Für den nächsten Abend werde sie jemandenholen zum Dolmetschen. Das war der Vater vonder Schwiegertochter, die in demselben Hauswohnte. Er war Lehrer und er sprach für michein wunderbares Deutsch, zum Teil sogar nochDialekt aus der damaligen deutschen Zeit. Eswar für ihn eine Freude und wir sind Freundegeworden. Leider ist er vor drei Jahren gestor-ben, er war über 90 Jahre alt.
Jedenfalls, am nächsten Abend konnte der alteHerr uns alles übersetzen. Und da hat die alteDame gesagt, dass sie sämtliche Möbelstückeund alles, was[ 1947] von den deutschen Bewoh-nern zurückgeblieben war, aus der Wohnung
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51. Jahrgang