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2. Oktober 2015 bis 31. Mai 2016

AUSSTELLUNG

Freud's Dining Room.

Möbel bewegen Erinnerung/ Furniture moves Memory

48 Elifabela Lagfölnerin 55

Die Eigentümerinnen

Schon um 1700 wurden Möbel durch Aufschriften personalisiert unzu unverwechselbaren Einzelstücken. Dank der Malerei des Kasten:wir rudimentare Kenntnisse über die Lebensverhältnisse der frühertümerin: Das Stück war wohl ein Geschenk anlässlich eines Wenderin ihrem Leben- Verlobung, Hochzeit oder Geburt eines Kindes anDie Darstellung der Namenspatronin, der HI. Elisabeth, sowie der Hlegen zudem ein katholisches Milieu nahe. Der Kasten ist allerdingsdie Aufschrift uns erzählen will, er wurde übermalt- nichts UngewiFür Möbel dieser Art. Generell verweist die Ausstattung des Mobiliabestimmten sozialen Status- nicht jede und jeder konnte sich verzileisten. Sie waren repräsentativer Teil des Wohnens und standen octin den halböffentlichen oder privaten Räumen eines Hauses

Die letzte Eigentümerin dieses Kastens war Anna Freud. Die Psychound Pädagogin erwarb ihn zusammen mit anderen Stücken um 193über den Antiquitätenhandel. Ihre Vorliebe für ländliches Mobiliaridabei einem allgemeinen Interesse intellektueller oder bürgerlich- kscher, auch adeliger Kreise, an der sogenannten Volkskunst, die umzum 20. Jhdt. wahrgenommen bzw. entdeckt" wurde; zu einem Zeials diese Möbel in ländlichen Gegenden- auch aufgrund einer sichden Möbelindustrie- bereits aus der Mode gekommen waren.

Nr.

Substitut des Objekts Nr.

Freud Museums London

Zwaria Kaden, datiert und rak

Im Herzen des Hauses 20 Maresfield Gardens,des heutigen Freud Museums in London, befin-den sich im ehemaligen Dining Room der Fami-lie Freud fünf Möbelstücke ländlich- alpinerHerkunft. Anna Freud hatte die bunten Kästenund Truhen um 1930 für ihr Wochenendhaus inHochrotherd in Niederösterreich erworben.

1938, nach dem Anschluss" Österreichs anNS- Deutschland, entschlossen sich die Freuds,Österreich zu verlassen. Zuvor waren Sigmundund Anna Freud wie auch die Institutionen derWiener Psychoanalytischen Vereinigung nochden

konsequenten Beraubungsmaßnahmender neuen Machthaber ausgesetzt. Die Möbelaus dem Wochenendhaus konnten jedochdank Anna Freuds Freundin und Kollegin, derUS- Amerikanerin Dorothy Burlingham, derTochter des amerikanischen Glaskünstlers LouisComfort Tiffany, aus Österreich ausgeführt

werden.

Die Ausstellung spürt der Geschichte dieserMöbelstücke und der Bedeutung für ihre Eigen-tümerin in ihren unterschiedlichen Lebenssi-tuationen und-stationen nach. Aufgrund ihrer

Biografie" verbleiben sie allerdings in London,Abstraktionen bzw. Substitute in der Schau-sammlung des Volkskundemuseums übertragendie Möbel und auch den Ort, an dem sie sichbefinden, nach Österreich. Mit ihnen will Freud'sDining Room an eine spezifische Geschichteerinnern, die auch eine Geschichte von Gefüh-len ist und Dimensionen einer Vergangenheitenthält, die von Verlust gekennzeichnet ist- imHier und im Dort.

Als Intervention reflektiert die Ausstellung dieeigene museale Zeigepraxis und unternimmtmit den neuen, in Wien zusammengesetztenObjekten ein Spiel mit der Aura der histori-schen, jedoch abwesenden Originale.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit demFreud Museum London.

Birgit Johler: Freud's Dining Room. Möbelbewegen Erinnerung. Furniture movesmemory(= Kataloge des Österreichischen Museums fürVolkskunde, 101). Wien 2015.

24 Seiten plus Bildtafeln, farbig, dt. und engl.Preis 12,80, für Mitglieder 33% ermäßigt

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51. Jahrgang