Heft 
H. 1+2
Einzelbild herunterladen
 

SCHAUFENSTER

Vertriebene und Verbliebene erzählen.Tschechoslowakei 1937-1948

Ausstellung und Videoinstallation

Kurator: Georg Traska

Die Ausstellung thematisiert die NS- Zeit in der Tschechoslowa-kei und die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerungnach dem Zweiten Weltkrieg. Lebensgeschichtliche Videointer-views, die in Österreich, Tschechien und der Slowakei geführtwurden, dokumentieren Erinnerungen an diese Geschichte bisin die Gegenwart. Als Kooperation dreier Nachbarländer kanndie Ausstellung zeitgleich in Wien, Prag und Bratislava gezeigtwerden.

Die 1918 entstandene Tschechoslowakei erbte von der Donau-monarchie die Konflikte der dort lebenden Volksgruppen. DerNationalsozialismus radikalisierte den nationalen Anspruch als,, rassische" Vorherrschaft durch Annexion, Unterdrückung undMord. Republikanische Bürgerschaft wurde durch Volksgemein-schaft" und deren Begriffe ersetzt. Plötzlich konnte man nur noch,, Deutscher", ,, Tscheche oder Jude" sein. Unmittelbar auf dasDritte Reich folgte die Vertreibung der deutschsprachigen Bevöl-kerung aus der Tschechoslowakei, die abermals von Unrechtund Tod bestimmt wurde. Der Eiserne Vorhang vollendete dieTrennung zwischen der vertriebenen und der zurückbleibendenBevölkerung, und der Kommunismus verbot jede Diskussionüber die Vertreibung und die dabei geschehenen Verbrechen.40 Interviews zeichnen die historischen Vorgänge im Spiegel derindividuellen Erfahrung nach: in Familie und Nachbarschaft, inethnisch gemischten Städten und entlegenen Dörfern, in Friedenund Krieg, während Gefangenschaft, Deportation und Neube-ginn. Eine besondere Rolle spielen InterviewpartnerInnen, diedem nationalen Entweder- Oder widersprechen: gemischte Paare,deutschsprachige Gegner des nationalsozialistischen Regimes,TschechInnen und SlowakInnen, die sich dem kommunistischen antifaschistischen" Narrativ der Vertreibung widersetzen.

Die Ausstellung besteht aus 15 thematischen Video- Stationen.In jedem Themenkreis werden unterschiedliche biografischePerspektiven im Wechsel der Originalsprachen( mit Unterti-telung in die jeweilige Landessprache) aufeinander bezogen.

10. Februar bis 10. April 2016

Zeitzeugin

Video- Stationen

arbei-

Dieten emotionale und kogniti-ve Motive im Spannungsfeldvon Biografie und Geschichteheraus. Sie handeln von Städ-ten und Regionen im Wand-lungsprozess von Entvölkerungund Neubesiedlung.

Diese Schau veröffent-licht Ergebnisse aus demForschungsprojekt BringingTogether Divided Memory.Czechoslovakia, National Soci-alism and the Expulsion of theGerman Speaking Population".

Die Ausstellung wird von einemKommunikations- und Veran-staltungsprogramm für Schu-len, universitäre und andereGruppen begleitet. Intervie-wpartnerInnen werden als Zeit-zeugInnen eingebunden.

Jänner- Februar 2016

5

LO