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Die Poesiealben wurden in den Schulen nicht nur von den Mitschüle-rinnen und Mitschülern zum Eintragen untereinander getauscht,sondern auch den Lehrkräften vorgelegt. Daran konnte häufig ihreGunst gemessen werden, denn jeder erhoffte den schönsten Eintragzu bekommen. Auffällig ist in den Alben des Museums, die- mitwenigen Ausnahmen- weiblichem Besitz entstammen, dass erst ab1850 Eintragungen von Mitschülerinnen vorzufinden sind. Dieerste Widmung einer Lehrkraft findet sich 1884. Diesbezüglich istzu bedenken, dass das gehobene Bürgertum und die Aristokratie, inderen Besitz die Stammbücher ursprünglich waren, den Töchterngerade im 19. Jahrhundert Privatunterricht durch Hauslehrer undGouvernanten erteilen ließen. Selbstredend hatte dabei die Ausbil-dung der hausfraulichen Tätigkeiten weiterhin über der Bildung desGeistes zu stehen.
Die Verwendung von Zitaten deutschsprachiger Dichter in denEinträgen sowie die verbesserte Lese- und Schreibfähigkeit derBevölkerung trugen dazu bei, dass die Alben mehr und mehr Eingangin andere soziale Schichten fanden. Es ist anzunehmen, dass sie alsGeschenke anlässlich der Firmung oder Konfirmation beziehungswei-se zur Matura überreicht wurden. Wie bereits angesprochen, konntenden frühen Alben des Museums keine Altersangaben der Besitzerin-nen und Besitzer entnommen werden, da die dafür notwendigenLebensdaten fehlen. Mit den Einträgen im schulischen Umfeld lässtsich der Zeitraum einengen. Zu einem Poesiealbum aus dem Jahre1904 gibt es genaue Lebensdaten der Besitzerin, denen zu entnehmenist, dass sie mit 14 Jahren begonnen hatte, Einträge zu sammeln.
Statt der Loseblattsammlungen wurden vor der Jahrhundertwendewieder gebundene Bücher gebräuchlich, bevorzugt im Hochformat,aber auch quadratische Formen sind belegt. Neben Leder und Samtkamen verstärkt günstigere Leinen- und Kunstledereinbände zumEinsatz. Goldschnitt und sonstiger Zierrat verschwanden. Auf denEinbänden scheint nun die Bezeichnung„ Poesie“ auf. Im Sprach-gebrauch bleiben die Begriffe Poesiealbum und Stammbuch