VORWORT
" Metallarbeiten haben mit der eigentlichen Volkskunst in der Regel keinen unmittelbaren Zusammen-hang. Sie sind immer aus den Händen des Gewerbes hervorgegangen.1 Aber sie haben doch, zum Teilmit dem Leben des Volkes engverwachsen, für seine Bedürfnisse bestimmt und in seinem Geschmackgearbeitet, in einigen Klassen so deutlich volkskünstlerischen Charakter und eine so ausgeprägte volks-tümliche Artung, dass sie ohne Bedenken als Werke der Volkskunst anzusprechen sind.
Zu diesen Metallarbeiten gehören auch die volkstümlichen Bestecke und Messer, besonders in jenerreichen und phantasievollen Entwicklung, welche sie in der alpenländischen Produktion und Lebens-sitte erfahren haben."
Diese Zeilen schreibt Michael Haberlandt unter Hinweis auf seine erste große Überblicksdarstellung der" Österreichischen Volkskunst" im III. und leider auch letzten Band der von ihm herausgegebenenReihe" Werke der Volkskunst" 2. Abgesehen davon, dass er meint, sich im Rahmen der Volkskunst-debatte rechtfertigen zu müssen, dass er sich mit dem Messer beschäftigt, bietet seine Abhandlungüber weite Strecken die einzige Möglichkeit, sich über die Besteck- und Messersammlung des Österrei-chischen Museums für Volkskunde einen Überblick zu verschaffen. Leopold Schmidt zum Beispielstreift in seinem Buch" Volkskunst in Österreich", bei dem er sich ebenfalls auf die Sammlung desÖsterreichischen Museums für Volkskunde stützt, dieses Kapitel nämlich nur marginal.3 Zwei Besteckeund drei Trattenbacher" Feitel" bilden die einzige Ausbeute im Bildteil. In der vom SalzburgerResidenz- Verlag herausgegebenen Volkskunst- Reihe über ausgewählte Objekte des Museums behan-delte Klaus Beit! im Band" Volksglaube" die sogenannten Trudenmesser.4 Außerhalb der" museumsei-genen" Publikationen berücksichtigt nur noch Gertrud Benker die Bestecksammlung, doch bringt sieim umfangreichen Bildteil ihres Besteckbuches ebenfalls bloß jene Stücke, die auch bei LeopoldSchmidt abgebildet sind. 5 Dazu zählt auch die eindrucksvolle Tischplatte mit dem aufgemalten Gedeckaus Oberösterreich.
Es scheint daher höchst an der Zeit, die umfangreiche und in ihrer Gesamtheit bedeutende Sammlungan Bestecken, Messern, Gabeln und Löffeln zu einem wesentlichen Teil in einer Ausstellung vorzustel-len und katalogmäßig zu erschließen. Vorarbeiten dafür wurden in einer Lehrveranstaltung des Insti-tuts für Europäische Ethnologie der Universität Wien geleistet. An Hand der Inventarbücher wurdeeine Liste der Bestecke und Messer erstellt und der Bestand chronologisch nach den Inventarnummerngeordnet. Die Konvergenz von Ist- und Sollbestand und die Sichtung der Objekte wurde von KathrinPallestrang durchgeführt.
Insgesamt enthält der Ausstellungskatalog 463 Positionen. Mehrteilige Bestecke, Messer samt Schei-den beziehungsweise zusammengehörige Messer und Gabeln werden unter einer Position geführt. Soauch die neunzehn gleichartigen Damenmesser aus Dalmatien oder einige gleiche Feitel. 383 Positio-nen an Messern und Gabeln aus dem Inventarbestand bleiben in der Ausstellung und im Katalogunberücksichtigt. Das trifft bis auf einige wenige eindrucksvolle Beispiele auch auf die Löffel zu, vondenen das Museum eine ähnlich große Anzahl wie an Messern besitzt. Ebenso ist der Bestand anschneidenden Werkzeugen wesentlich größer als in der Ausstellung gezeigt wird. Umgekehrt fehlen
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