Mit diesen Gestalten der Phantasiewelt sind wir dicht an die Grenzeder im Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum auftretenden mythischen Gestalten gekommen. Hierhergehören sicherlich die dunklen Begleiter des hl. Nikolaus, die im bairisch-österreichischen Sprachgebiet je nachdem entweder Bartel, oder Klaubauf,oder Krampus heißen 53. Bei den Lebzelten handelt es sich vor allem umden wienerischen Krampus( 72, 73, 74, 75, 76), der durch die josefinischenKritiker des späten 18. Jahrhunderts literaturfähig geworden war. Die Leb-zeltenmodel gehen wohl auch alle auf die Jahrzehnte vor und nach 1800zurück 54. Vielleicht sind die eher als Bartel anzusprechenden( 75) älter.Geschenkt hat man sie wohl wie die mit dem hl. Nikolaus eben am Abenddes 5. Dezember. Dieses Gebildgebäck hat sich ja auch in den Großstädtenerhalten, nur daß der Lebzeltenkrampus nicht mehr in einem Model ge-formt wird; man klebt sein farbig gedrucktes Bild auf das Teigfigür-chen drauf.
War schon bisher mehrfach vom Hanswurst die Rede, vom vielseitigenLustigmacher aus der Welt des barocken Volkstheaters, so muß er noch-mals bei der Musik genannt werden, die im Lebzeltenmodel eine gewisseRolle spielt 55. Das Motiv des geigenden Hanswurst( 78) ist hier zuhause.Man hat aber auch wirkliche Musiker im Lebzelten geformt, so beispiels-weise das freundliche Paar Geiger und Cellist aus dem Jahre 1752( 63).Auch der Trommler kommt gelegentlich vor( 85), ganz abgesehen von derZeile der acht Musikanten, die im steirischen Lebzeltenmodel so beliebtsind 56. Aber auch die Musikdarstellungen im Lebzelten entbehren nicht derkomischen oder grotesken Züge. So gibt es einen Esel, der die Laute spielt( 77 A), ganz deutlich also eine Verbildlichung des alten Sprichwortes voneinem, der sich anstellt ,, wie der Esel beim Lautenschlagen" 57. Kaum einBildmotiv, das sich im Zusammenhang mit den anderen Motiven der„ Ver-kehrten Welt" so weit zurückverfolgen ließe wie dieses 58. Und dann ebender Papageno, der hanswurstartige Vogelmensch aus der„ Zauberflöte". DerVogelfänger( 80, 81), mit dem Vogelkäfig auf dem Rücken, und der Pans-flöte in der Hand. Seine Darstellung bleibt das beste Zeugnis für die rasche
53 Emil Karl Blümml und Gustav Gugitz, Das Nikolaus- Fest in Alt-Wien( in: Von Leuten und Zeiten im alten Wien, Wien 1922, S. 36 f.). LeopoldSchmidt, Wiener Volkskunde. Ein Aufriß. Wien 1940. S. 57 f.
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54 Arthur Haberlandt, Volkskunde des Burgenlandes, S. 64, Nr. 11.55 Leopold Schmidt, Hanswurst und verwandte Gestalten in der öster-reichischen Volkskunst( Jahrbuch für Wiener Theaterforschung, Bd. II, Wien1946, S. 158 ff.).
56 Sepp Walter, Zeilenmodel aus steirischen Lebzeltereien( Blätter fürHeimatkunde, Bd. 34, Graz 1960, S. 108 ff.).
57 J. Eiselein, Die Sprichwörter und Sinnreden des deutschen Volkes inalter und neuer Zeit. Freiburg 1840. S. 152.
58 Volker Plagemann, Art. Esel( Reallexikon zur deutschen Kunst-geschichte, Bd. V, Sp. 1497 ff.).
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