Druckschrift 
Ausstellung Lebzeltenmodel aus Österreich : Katalog
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen
 

Vorwort

Lebzeltenmodel sind die geschnitzten Holzformen, mit denen die fest-lichen Honigkuchen zu ihrer Bildgestalt gebracht wurden. Seit dem Spät-mittelalter lassen sich Lebzelter verfolgen, die derartige Model verwende-ten, und zum Teil auch selbst herstellten. Vielfach waren berufsmäßigeModelstecher für sie tätig. Beide eng zusammenarbeitenden Gruppen schu-fen jeweils für ihre Zeit den entsprechenden Formenschatz. Nach demAufhören der alten Tradition dieser Gebildgebäcke im späten 19. Jahrhun-dert begann die sammlerische und wissenschaftliche Beschäftigung damit;die in den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts gegründetenVolkskundemuseen, aber auch viele Heimathäuser und Privatsammlungenbegannen sich dieser nicht mehr benützten Model anzunehmen.

Das Österreichische Museum für Volkskunde hat von seiner Gründungan Lebzeltenmodel neben den vielen anderen Gegenstandsgruppen derdamals eben entdeckten Volkskunst mitgesammelt. Michael Haberlandt hatsich zusammen mit seinem Mitarbeiter Franz Größ schon 1895 um Leb-zeltenmodel aus Wien und Niederösterreich bemüht. Privatsammler wiedas Ehepaar Eisert in Klosterneuburg sind ihm schon 1896 dabei behilflichgewesen. In anderen niederösterreichischen Orten, beispielsweise in Perch-toldsdorf 1899, in Mödling wenige Jahre später, konnten zum Teil sehrstattliche Bestände direkt von Lebzeltern erworben werden. Manches konnteMichael Haberlandt durch seine Zubringer in den Alpenländern erwerben,beispielsweise durch den Turmwirt Heinrich Mayr in Bozen, 1903. Abersehr früh begannen auch gewiegte Sammler, die sich auf verschiedenenanderen Gebieten der Volkskunst betätigten, und die sich in der Geschichteder österreichischen Volkskunde einen Namen gemacht haben, die von ihnengesammelten Model dem Museum zu überantworten. So brachte schon 1897Ladislaus Ritter von Benesch eine kleine Kollektion von Modeln aus Ober-krain mit nach Wien. Der bedeutende Sammler Johann Reinhold Bünker,der aus Kärnten stammte, aber beruflich in Ödenburg tätig war, vergaß beiseinen Rauchstubenwanderungen im Gebiet von Millstatt das Museum nichtund brachte 1907 unter anderem Model aus Spittal an der Drau nachWien. Und in der umfangreichen Kollektion, die Alexander Hausotter inden gleichen Jahren im Kuhländchen in Nordmähren anlegte, waren wiederModel dabei, die 1908 ins Museum nach Wien gelangten.

Sehr ausschlaggebend waren Erwerbungen der nächsten Jahre, die inOberösterreich gemacht werden konnten. Es handelte sich dabei vor allem

4