Körbchen präsentierte( 35, 37). Die Darstellung gehört zu jenen Merk-würdigkeiten, zu denen sich das verbrauchende Volk später selbst einenReim zu machen versuchte. So hat man sich in Böhmen erzählt, daß manein solches Gebäck in einem entsprechenden Spottaufzug dem Vater einesunehelichen Kindes überbrachte 35. Sonst schenkte man ja eher Lebzelten,die scheinbar einen gewöhnlichen Gebrauchsgegenstand darstellen, inWirklichkeit aber als geschlechtliche Anspielungen verstanden wurden. Sogab man als Zeichen der Männlichkeit etwa einen Säbel( 45, 46 R) 36, odereine Pistole( 46 A), und auch die Pfeife( 43, 44, 42) gehört in diesen Zu-sammenhang. Man muß durchaus nicht überall geschlechtliche Anspielungenwittern, um solche wohlbezeugte Verbildlichungen richtig zu verstehen 37.Im Gegensatz zu diesen männlichen Sinnbildern gehören die nicht seltenaufzufindenden Handschuhe wohl zu den Verlobungsgaben 38. Da klingtälteres Rechtsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Rechtsbrauchtum nach( 40, 41). Vielleicht steht es auch mit denSchuhen so( 22 R, 77 R, 107 R), wobei zu beachten ist, daß diese zierlichenSchühlein aus den einzelnen Teilen erst zusammengesetzt werden mußten.
Nun der Prunk, das„ Image", das sich die jungen Leute selbst zu-legten. Sie sahen sich als stattliche Männer, als Kavaliere( 13, 23, 24), undihnen stellte sich die ebenso stattliche Dame zur Seite, manchmal die Lautespielend( 14), manchmal bräutlich mit dem Blumenstrauß spielend( 24).Man spürt auch hier immer wieder die graphischen Vorlagen durch, ohne siedoch so ohne weiteres im einzelnen namhaft machen zu können. Den etwassteifen Damen der Spätrenaissance und des Hochbarock stellen sich dieSchäferinnen zur Seite( 22), die aber auch als Jahreszeitenallegorien stehenkönnen. Das bezeugt ja auch die Möbelmalerei und das Hinterglasbild 39.
Das Hochzeitspaar, gewissermaßen die Erfüllung dieses ganzen Stre-bens, ist im Lebzeltenmodel gehörig dargestellt worden 40. Das Hauptthemawird gern umspielt, vor allem durch die Liebes- und Hochzeitskutsche, diesich erstaunlich oft( 14 R, 50) dargestellt finden 41. Daneben tritt mitunter
35 Zora Soukupova, Rodenik donesnej lidovy zvyk na Doudlebsku( Volksbrauch in der Gegend von Doudleby).( Narodopisne Aktuality, Bd. IX,Straznice 1972, S. 17 ff.)
36 Spieß, Grundlinien( Jahrbuch für historische Volkskunde, Bd. III/ IV,Abb. 51).
37 Sepp Walter, in: 5. Landesausstellung: Das steirische Handwerk.Katalog. I. Teil: Handbuch, S. 464.
38 Walzer, Liebeskutsche, S. 183 ff.
39 Leopold Schmidt, Hinterglas. Zeugnisse einer alten Hauskunst. Salz-burg 1972. Taf. 5.
40 Spieß, Grundlinien( Jahrbuch für historische Volkskunde, Bd. III/ IV,Abb. 56).
41 Walzer, Liebeskutsche, S. 17 ff.- Arthur Haberlandt, Volks-kunde des Burgenlandes, S. 64, Abb. 9 b.
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