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Volkskundliches aus Italien : Österreichisches Museums für Volkskunde, Schloßmuseum Gobelsburg, Sonderausstellung ; Katalog
Entstehung
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F. PIEMONTESISCHE ZINNPITSCHEN

Die charakteristischen Schraubflaschen aus Zinn, sechs-, vier-und achtseitige Gefäße und solche mit zylindrischem Mantel, diedurchwegs aus Platten zusammengesetzt sind, können trotz fehlen-der Zinnmarke- den Wanderzinngießern(" Plattengießern") aus demPiemont zugeschrieben werden.

Mit Ende des 17. Jahrhunderts kamen viele piemontesische Zinn-gießer nach Österreich, insbesondere auch in die Steiermarkund überlagerten dort allmählich die einheimischen Landmeister.Trotz obrigkeitlicher Schutzpatente, Ratsbeschlüsse und Erlässe,die sämtlichen Störern des heimischen Handwerks die Ausweisungandrohten, konnten die Italiener ihre Position festigen. Mitdem allernotwendigsten Werkzeug im Ranzen wanderten sie vonDorf zu Dorf und verarbeiteten auf offener Straße meist altes,zerbrochenes Zinngeschirr zu den typischen Schraubflaschen.Für ihre Herstellung genügten einfache und leicht transportableGeräte: ein Holzbrett, zwei kleine Formen für den Schraubver-schluß, ein Gießlöffel und ein Lötkolben, Polierklingen, Achat-steine und Sticheln für die Gravierungen. Erst im 19. Jahrhundert,als es vielen Piemontesern gelang, seẞhaft zu werden, österreich-ische Frauen zu heiraten und Zinngießerkonzessionen zu erhalten,gingen sie zur Fertigung anderer Zinnwaren über, für die schwere,nicht transportable Einrichtungen unentbehrlich waren.

Literatur:

Adolf Mais: Die" Katzelmacher". Ein Beitrag zur Kulturgeschichteeiner handwerksgebundenen Volksgruppe. In: Mitteilungen derAnthropologischen Gesellschaft in Wien. LXXXVII. Band. Wien1957. Seite 37- 52.

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