Druckschrift 
Joseph Lanner 1801 - 1843 : flüchtige Lust ; [Begleitbuch zur Ausstellung Flüchtige Lust Joseph Lanner 1801 - 1843 ; eine Ausstellung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek und des Österreichischen Museums für Volkskunde, 17. Juni bis 14. Oktober 2001, Österreichisches Museum für Volkskunde]
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

stübchen unter dem Schindeldach" wohnte. Noch in der Zwischenkriegszeit konnte mandas schöne, alte Hoftor dieses Gebäudes bewundern. Das Originalhaus existiert nichtmehr; der heute dort befindliche Nachfolgebau trägt keinen Hinweis, dass Lanner einstan dieser Stelle wohnte. Um das Jahr 1840 bezog der Dirigent und Komponist ein klei-nes, einstöckiges Landhäuschen im ehemaligen Vorort Ober- Döbling( Ober- DöblingNr. 214= heute: Wien 19, Gymnasiumstraße 87). In Ober- Döbling lebte Lanner in sei-nem Logis mit seiner Lebensgefährtin Marie Kraus zusammen. In dem an der Wende vom19. zum 20. Jahrhundert niedergerissenen Haus( die seit 1889 auf Lanners Sterbehausbefindliche Gedenktafel ging bei der Demolierung des Hauses verloren) starb der Kom-ponist am 14. April 1843 an Typhus, wie die offizielle Todfallsaufnahme angibt. 10 Das Wohn-und Sterbehaus Lanners befand sich in unmittelbarer Nähe des sogenannten WähringerSpitzes. Auf diesem Areal, wo heute Gymnasiumstraße und Billrothstraße aufeinandertreffen( seinerzeit verlief hier die Grenze zwischen Währing und Döbling), befand sich früher einberühmtes Vergnügungsetablissement( Kremsers Lokalitäten, Wendls Vergnügungs-etablissement"). Hier, schräg gegenüber seines damaligen Wohnhauses, gab Joseph Lan-ner am 8. Juli 1842 während einer über Wien zu beobachtenden Sonnenfinsternis, umhalb sechs Uhr in der Früh ein Konzert. Zu diesem Konzert hatte sich eine große Zahl vonBewunderern der Musik Lanners eingefunden, die den Kunstgenuss mit dem Betrachteneines raren Naturereignisses verbinden wollten." Das berühmte Währinger Vergnügungs-etablissement ging aus dem an dieser Stelle 1831 errichteten Gasthaus Zum Währin-ger Spitz" hervor. Später mutierte das Lokal zu einem Theater( Theater in Döbling"), wel-ches bis 1893 bespielt wurde. Heute befindet sich an der Stelle von Lanners Sterbehausein modernes Studentenheim( Wien 19, Gymnasiumstraße 85-87/ Gedenktafel). Als Bau-grund für das zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts errichtete Studenten-heim wurde das Areal der bis dahin hier befindlichen Kuffner- Villa ausgewählt. Im Juni 1994wurde an der der Gymnasiumstrasse zugewendeten Seitenfront des Studentenheims-im Bereich des Lannerschen Sterbeorts- auf Initiative der Kulturvereinigung Gesellschaftder Freunde Wiens" eine Gedenktafel angebracht. Der Text dieser Tafel lautet: Zur Er-innerung an Joseph Lanner, der im Haus Nr. 87, das auf diesem Areal stand, wohnteund am 14. April 1843 verstorben ist". 12

In unmittelbarer Nähe, wo einst Lanners Sterbehaus stand, mündet die heutige Lan-nerstraße( Wien 19) in die Gymnasiumstraße. Seit 12. Februar 1897 trägt der beider Hochschulstraße von der Gymnasiumstraße bis zur Blaasstraße bzw. dem dortprojectierten Häuserblock" verlaufende Straßenzug den Namen Lannerstraße" 13. An-dere Verkehrsflächen, die zur Erinnerung an den Komponisten in der Vergangenheitseinen Namen trugen, wurden in der Zwischenzeit umbenannt. So die ,, Lannergasse"in Favoriten( heute: Huppgasse, Wien 10) und die Lannergasse" in Atzgersdorf( heu-te: Fischingergasse, Wien 23).

Lanner- Stätten in Wien

155