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Joseph Lanner 1801 - 1843 : flüchtige Lust ; [Begleitbuch zur Ausstellung Flüchtige Lust Joseph Lanner 1801 - 1843 ; eine Ausstellung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek und des Österreichischen Museums für Volkskunde, 17. Juni bis 14. Oktober 2001, Österreichisches Museum für Volkskunde]
Entstehung
Seite
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Zum Geleit

Das gängige Lanner- Bild kreist um Begriffe wie Gemütlichkeit, Liebenswürdigkeit, Bo-denständigkeit, es beschreibt den Komponisten aus einer Art Nostalgie heraus, als Mu-siker, der für die gute alte Zeit steht. In Wahrheit ist der scheinbar so Problemlosezweihundert Jahre nach seiner Geburt ein weithin Unbekannter, ein Unterschätzter, dembis vor Kurzem seitens der Forschung nicht jenes Maß an Aufmerksamkeit zuteil ge-worden ist, das seiner Bedeutung in der Musikgeschichte angemessen wäre.

Im Jubiläumsjahr 2001 scheint sich jedoch von Wien ausgehend eine differenzierte-re Sichtweise durchzusetzen. Verschüttete Spuren werden freigelegt, Missverständ-nisse aufgeklärt, Legenden entlarvt. Die Grundlage für dieses neue, auf abgesicher-ten Quellenstudien beruhende Verständnis Lanners lieferte ein von der Stadt Wienfinanziell getragenes Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse auch in die Ausstellungder Wiener Stadt- und Landesbibliothek und des Österreichischen Museums für Volks-kunde eingeflossen sind. Darüber hinaus hat das Expertenwissen der Mitarbeiter derWiener Stadt- und Landesbibliothek dazu beigetragen, bei der Ausstellung ein Bildvon Joseph Lanner zur formen, das dem Besucher neue Perspektiven seiner Per-sönlichkeit und seiner Musik erschließt.

Die Ausstellung schöpft aus dem reichen Bestand an Dokumenten und Erinne-rungsgegenständen zu Joseph Lanner und seinem Umfeld, über den die Stadt Wien( Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Museen der Stadt Wien, Wiener Stadt- und Lan-desarchiv) verfügt, sinnvoll ergänzt durch Exponate des zugleich als Ausstellungsortfungierenden Österreichischen Museums für Volkskunde, anderer namhafter Samm-lungen sowie privater Personen.

Jubiläumsjahre sind immer auch ein Anlass für ein Überdenken von Klischeebildern,für einen Neubeginn in der Auseinandersetzung mit Persönlichkeiten oder Institutio-nen. Ich hoffe, es gelingt, mit dieser Ausstellung Joseph Lanner, den stets mit JohannStrauß in einem Atemzug Genannten, den Bewohnern und Gästen Wiens als eine ei-genständige, vielschichtige und nicht zuletzt für das Musikleben dieser Stadt hoch-bedeutende Persönlichkeit bewusst zu machen.

Andreas Mailath- Pokorny

Stadtrat für Kultur und Wissenschaft von Wien