Anmerkungen zu Wien( 1815-1845) in der Lanner- Zeit
Otto Brusatti
Es war Weltpolitik gemacht worden. Der Wiener Kongress leg-te nicht nur das den Geist vorantreibende und sonst sich ir-gendwie auch selbstzerfetzende Frankreich für einige Jahrzehn-te in Schranken. Man ordnete erstmals ganz Europa, und das ge-schah, wie man meinte, neu und für Dauer. Vieles aus diesem Wie-ner Kongress blieb tatsächlich bis heute Voraussetzung für Eu-ropa- Landkarten. Vielleicht war's auch schon ein Vorgeschmackauf die Europäische Union.
Regulative wurden jedenfalls wichtiger als ein großzügig-großflächiger Neuanfang in den Beziehungen zwischen den Staa-ten. Die geistigen Umbrüche seit und durch Revolutionen, Klas-siken, Kriege oder Akte der Vernunft, ohne jetzt stets von einerreligiösen Gespenstermetaphysik beeinflusst, bedrängt oder ab-hängig zu sein, waren noch allemal da, man durfte sie bloß kaumbenützen. Die Intelligenz und der politische Nachwuchs übten sichvorerst vor allem in Männlichkeitsriten. Die Gedanken waren nichtsehr frei.
Kat.-Nr. 45
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