Druckschrift 
Joseph Lanner 1801 - 1843 : flüchtige Lust ; [Begleitbuch zur Ausstellung Flüchtige Lust Joseph Lanner 1801 - 1843 ; eine Ausstellung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek und des Österreichischen Museums für Volkskunde, 17. Juni bis 14. Oktober 2001, Österreichisches Museum für Volkskunde]
Entstehung
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In Wien stand die Melodie des Lebens seit den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhundertsfast ausschließlich im rasanten Dreivierteltakt, sodass in den zeitgenössischen Be-richten der Geschwind- Walzer" mit dem Wiener Walzer" gleichgesetzt wird. In demweitverbreiteten W. G. Becker's Taschenbuch zum geselligen Vergnügen", das ab1818 nicht nur in Leipzig, sondern auch in der Geroldschen Buchhandlung in Wienerschienen ist, findet sich in jenem Jahr ein Notenteil, überschrieben mit Geschwin-der- oder Wiener Walzer. 17 Die Allgemeine deutsche Real- Enzyklopädie" von Brock-haus schreibt 1837 unter dem Stichwort Walzer", dass er ein, deutscher Tanz vonfröhlichem Charakter" sei, doch seit der wiener Walzer herrschend wurde, hat sichder Frohsinn und die Lustigkeit, die sich darin aussprachen, bis zu einer bacchan-tischen Wuth gesteigert". 18 Die Drehfigur des Walzers an sich ist keine Wiener Er-findung, doch übertrifft der Wiener Walzer alles an wilder Raschheit". 19 Bereits Jahr-zehnte vor dem Auftreten von Joseph Lanner und Johann Strauß( Vater) wurde in WiensGasthäusern mit einer unwahrscheinlichen Leidenschaft, um nicht zu sagen Beses-senheit, Walzer in rasanten choreografischen Varianten getanzt.

Ebenfalls zu der Gruppe der Ländlertän-ze gehört der Deutsche Tanz", der nichtnur ein Rundtanz ist, sondern dessen cho-reografischer Tanzablauf abwechselndaus Promenade, kunstvoll verwickeltenArmfiguren und Walzertouren" besteht.Die Paare müssen dabei einen Tanzkreiseinhalten und ein Vortänzerpaar gibt diejeweiligen Armfiguren an, die verschie-dene Namen haben können. In einem be-

zaubernden Almanach- im Vierten Toiletten- Geschenk für Damen" aus dem Jahr 1808- wird eine Auswahl solcher Armfiguren abgebildet: Spiel der Arme oder Wellen", Der Triumphbogen" oder Das Fenster". 20 Diese beweglichen Bilder", die in stän-diger Abwechslung grazil ausgeführt werden, kommen in der Allemande ebenso vorwie im sogenannten Straßburger Tanz, der lediglich ein rascheres Tempo aufweist. Indieser Form bestand der Deutsche" im höfischen Bereich wie auch im bürgerlichenTanzsaal, doch ein solches Walzen in der Runde oft von zwanzig und mehreren Paa-ren hintereinander" 21 war als großes Gesellschaftsspiel um 1800 nicht mehr durch-führbar, die Tanzsäle waren zu überfüllt. Dieser äußerst beliebte Tanz wurde allerdingsbis in die Biedermeierzeit vor allem auf Hausbällen weiter gepflegt. So ist es be-zeichnend, dass Franz Schubert für seinen intimen Freundeskreis eine Fülle schön-ster ,, Deutsche Tänze" komponiert hat- ungefähr 160 Deutsche Tänze" sind erhal-ten geblieben 22- während von dem Musikdirektor Lanner, der für das Massenpubli-

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Tanzlust und Ballkultur zur Lannerzeit

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