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Nichts tun : vom Flanieren, Pausieren, Blaumachen und Müßiggehen ; [Begleitbuch und Katalog ; Sonderausstellung 9. Juni bis 5. November 2000]
Entstehung
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Vom Ruhen

Vom Ruhen

Bitte noch ein Weilchen fordert der eingewebte Schrift-zug eines rot karierten Polsterbezuges auf, wie er vom Ober-österreichischen Heimatwerk erzeugt und vertrieben wird.Zweierlei Zeitmaẞe versprechen Polster und Satz: Einerseitsdie Zeit zum Rasten als Ausgleich zur Arbeit, andererseits dielange Dauer der guten, alten Dinge", die sich der Schnell-lebigkeit des täglichen Konsums entziehen. Die damit verbun-denen Konnotationen deuten auf Unverrückbares, auf Bestän-diges hin und richten sich gegen eine Modernität, die angeb-lich keine Zeit und auch keine Muster für Behaglichkeit anzu-bieten hat. Immer weniger galt die Stadt als Ort des Geschützt-seins oder der Ruhe. In der Wahrnehmung des 20. Jahrhun-derts wurde sie endgültig zum Zentrum der rasenden Beschleu-nigung, schließlich zum Nicht- Ort, an dem auch niemand mehrsein Zuhause hat( Marc Augé).

Die Behaglichkeit zog sich in den Augen der Städter-aufs Land zurück. Dort glaubte man sie zu finden, die, gerech-te Ruhe", in schönen holzgetäfelten Stuben ,,, immer" vom Taktdes Spinnrades und dem monotonen Knistern des Ofens be-gleitet. Diese scheinbaren Reservate des Gemütlichen hattedie Möbel- und Ausstattungsindustrie rasch für sich nutzbargemacht. Die Stube- und in ihrer verkleinerten Form: das Stü-berl- erlebte gerade in der Großstadt eine Hochkonjunktur.Die Stube überzeugte als Symbol eines geborgenen, ruhigenund aus dem Lauf der Welt herausgehobenen Lebens. Rusti-kale Möbel ergänzten das Interieur von Stadtwohnungen undversprachen dem Käufer jene Atmosphäre von Wärme und Ge-mütlichkeit, die er im Alltag vermisste. Derartige Möbel muss-ten alt, ja zeitlos, überliefert wirken, an den Holzverbindun-gen trat das Handgemachte und solid Verarbeitete wie deutli-che Insignien hervor; die dunkle Beize sollte ihnen die notwen-dige Patina und damit eine Qualität von vergangener, aberbewahrter Zeit verleihen.

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