Zur Ausstellungsarchitektur
Zur Ausstellungsarchitektur
Christian Prasser
Nichtstun- eine Beschäftigung? Wo wird nichts getanund wann? Wer tut nichts- weshalb? Nichtstun kann nicht imluftleeren Raum geschehen, sondern hängt von Stimmung undAtmosphäre ab, bedingt Orte, an denen wir loslassen und unsfallen lassen, wo wir uns treiben lassen können. Dies durchdie Gestaltung nachvollziehbar zu machen, ist Ziel dieser Aus-stellungsarchitektur.
Für mich ist eine architektonische Aufgabe gekennzeich-net durch rationale, logische Zugänge, die durch persönlicheStimmungen und Bilder bereichert werden. Im konkreten Fallestellt das Palais Schönborn den Rahmen dar, der auf rationalerEbene klare Strukturen vorgibt: Eine Blickachse vom Foyer derAusstellung in den Garten ermöglicht es, das adelige Lustwan-deln des Barock dem bürgerlichen Flanieren im ausgehenden19. Jahrhundert gedanklich gegenüber zu stellen. Die zweiteAchse verbindet die beiden Haupträume der Ausstellung- aufder einen Seite die kleinen Freuden des individuellen Müßig-gangs, auf der anderen Seite das gesellschaftliche Leben imFlanieren, Promenieren und Spazieren. Diese Achse gibt nichtein lineares Durchschreiten der Räume vor, sondern wird erleb-bar als Ort des öffentlichen und privaten Lebens, der zum Ver-weilen einlädt, wo wir vor- und zurückgehen, abschweifen, unsniedersetzen.
Die räumliche Qualität des individuellen Müßiggangs wirdin einer Atmosphäre bunter Lichtinseln spürbar, wo Vitrinen zumLesen und Sitzen anregen. Das Licht ist für diese Atmosphäreein ganz wesentlicher Gestaltungsfaktor; einerseits unterstreichtes die Aussage der Objekte, andererseits stimuliert es den Be-sucher zum Verweilen. Der Ausstellungsbesucher benützt dieAusstellung und wird gleichzeitig zum Ausstellungsobjekt.
22