Zur Ausstellung
Was wir hier in Collagen aus Bildern und Objekten prä-sentieren, ist zwar keineswegs beliebig, doch ebenso wenigsystematisch im Sinne einer streng durchdeklinierten Kultur-geschichte. So sind es, wiederum methodisch gesehen, Anek-doten und Aphorismen, anhand derer wir vom Nichtstun desAlltags erzählen. Wir skizzieren symptomatische Situationen,wie sie sich im Wien der letzten beiden Jahrhunderte beobach-ten lassen. Es ist eine kleine, durch Sammlungskonzeptionen,räumliche Gegebenheiten und finanzielle Möglichkeiten, nichtzuletzt aber auch durch Denkgewohnheiten bedingte Auswahl,die da zustande gekommen ist.
Uns interessiert, wie Menschen des 19. und 20. Jahr-hunderts ihre Alltagsfluchten phantasierten, verwirklichtenund ausstatteten- umgeben von Beglückungsansprüchen und-anstrengungen aller Art. Wir führen die Besucherinnen undBesucher hinein in durchaus bekannte und vertraute Bildervom Nichtstun, um dann aber neue, ungewohnte Perspektivenvorzuschlagen. Wir wechseln dabei immer wieder zwischenNahaufnahme und Panorama, zwischen Vergangenheit undGegenwart. Wir wollen zeigen, in welchen Alltagsmythen wiruns gerade auch dann bewegen, wenn wir uns vorgenommenhaben, nichts zu tun. Wenn dabei so mancher Gemeinplatzunterminiert würde, dann wäre das durchaus in unserem Sin-ne. Doch geht es uns keineswegs darum, diese- auch persön-lichen Alltagsmythen zu denunzieren. Die Ausstellung sollvielmehr Lust machen, den einen oder anderen Erzählfadenaufzunehmen und weiterzuspinnen: Was passiert da eigent-lich, wenn wir nichts tun?
Eine solche Frage mag zu Zeiten struktureller Arbeits-losigkeit geradezu luxuriös wirken. Dass wir dieser Frage sogarin einem Forschungsprojekt nachgehen können, dies habenwir der großzügigen Förderung durch das Bundesministeriumfür Bildung, Wissenschaft und Kultur zu danken. Für die neu-gierige Offenheit und die unkomplizierte Unterstützung, die
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