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Nichts tun : vom Flanieren, Pausieren, Blaumachen und Müßiggehen ; [Begleitbuch und Katalog ; Sonderausstellung 9. Juni bis 5. November 2000]
Entstehung
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Dieses individuelle Projekt des schönen Lebens( GerhardSchulze) hat unsere Wahrnehmung von Alltag und Zeit verän-dert. Mit der Kunstsinnigkeit geübter Touristen betrachten wirzusehends auch unsere Alltage. Die kleine Freude zwischen-durch haben wir zur Kunstform entwickelt. Im Blaumachen undPausieren, im Entspannen und Genießen, allein oder auch inGesellschaft, nehmen unsere Träume vom ganz eigenen Maßan freier Zeit Gestalt an. In diesen spielerischen Experimentenfinden sich Spuren des demonstrativen Müßiggangs der Rei-chen, der feinen Lebensart künstlerischer Avantgarden, derprovokativen Lebenshaltung jugendlicher Subkulturen.

Solches Nichtstun im kleinen Format steht für eine um-fassende Modernisierung der Alltagswelten. Es balanciert zwi-schen Arbeit und Freizeit und hebt so jenen ungleichgewichti-gen Gegensatz auf, wie er lange Zeit unsere Alltagskulturengeprägt hat. Anschaulich wird dies besonders auf den Bühnender Großstadt; denn zu Zeiten von Massen- und Medienkultu-ren sind Zeitvorstellungen und Freizeiterwartungen vor alleman den Mustern urbanen Lebens ausgerichtet.

Wien ist da Beispiel und Sonderfall zugleich. Im genuss-freudigen Wien, so will es die Überlieferung, schlägt das Herzfür die große Kulturtradition und gleichermaßen für die kleinenFreuden. An Wien lässt sich studieren, wie man die Zeit fest-halten kann; denn auch im angehenden 21. Jahrhundert sindes die imperialen Zeiten vor 1918, die die Folklore der Stadtbestimmen. Unter dem Markennamen wienerische Lebensartist ein vormodernes, eigentlich antiurbanes Raum- und Zeit-gefühl legendär geworden. Die Stadt, mit ihrem dichten Ge-webe an Zeichen und Texten gab und gibt eine verlässlicheKulisse ab für jene kleinen Freuden des Spazierens, Prome-

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