Zum
Geleit
Nichtstun personifiziert sich für mich sowohl in Bildernder eigenen Stadt als auch in Urlaubsstereotypen: etwa in je-nen Wienern, die sich, auf die Fensterbank gelehnt, der Be-schäftigung des„ Aus- dem- Fenster- Schauens" hingeben, oderin auf Bänken unter Platanen sitzenden alten Männern in Süd-frankreich, die ein Boule- Spiel verfolgen, oder auch in den ineiner Dorf- Bar sitzenden Italienern und Griechen, die ihren Kaf-fee in der Sonne oder im Schatten genießen. Hier findet manden Begriff der Muẞe verwirklicht als unvernutztes Leben, un-mittelbares Dasein und nicht entfremdete Existenz. Hier gehtes nicht um Erholung oder Entspannung zur Wiederherstellungvon Arbeitskraft, sondern um Menschen, deren augenblickli-ches Leben unter keinem anderen Aspekt als jenem des Da-Seins steht. Franz Schandl hat dies in einer Rezension vonErich Ribolits' Berufspädagogischer Streitschrift wider dieTotalverzweckung des Menschen im Post- Fordismus treffendformuliert:... Müẞiggang ist nicht das Gegenteil von Arbeit,sondern Müẞiggang ist etwas, was aus der Arbeitswelt heraus-fällt, was weder in die( heutige Form von) Arbeit noch in die ihrkorrespondierende Freizeit einzuordnen ist, es ist ein Zustand,der die Werte der heutigen Arbeits- Freizeit- Gesellschaft fürsich nicht mehr anerkennt.
Das Österreichische Museum für Volkskunde im Garten-palais Schönborn ist ein guter Platz für die Beschäftigung mitMüẞiggang und Nichtstun. Mindestens drei Gründe sprechendafür:
1. Das Volkskundemuseum als Institution ist eine städ-tisch- bürgerliche Erfindung des 19. Jahrhunderts, quasi einGegenentwurf zur Moderne, ein möglicher Fluchtpunkt inmit-ten alltäglicher Stadterfahrung. Das Museum, und nicht nurdas volkskundliche, ist insgesamt ein Ort der Ausstrahlung,ein Ort der Anmutungsqualitäten der Sinne, ein Erholungsortmitten in der Stadt, eine Insel der Kontemplation, der Erinne-
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