Figuraldarstellungen verschönt erscheinen. Genaue Darstellungen der Mode-kleidungen, etwa zwischen 1790 und 1820, also der Zeit des reifen Goethe,beweisen, daß man dort sich die vornehmen Kurgäste in Karlsbad genaubesah, und zumindest in dieser Hinsicht vor ihnen nicht zurückstehenwollte. Diese Egerländer Möbelgruppe war einstmals nicht klein, da man-che Tischler bezeugtermaßen zu jeder Hochzeit diese Möbel anzufertigenhatten. Aber sie sind selten und spät gesammelt worden. Wenn sie hier denMöbeln unserer Bundesländer gegenüber gestellt erscheinen, geben sie dieseltene Möglichkeit, eine derartige Sonderentfaltung studieren zu können.
Die Möbel haben sich in der zeitgenössischen Kunst kaum gespiegelt,so daß wir über die Stücke hinaus von der Einrichtung der Häuser, derStuben und Kammern, nur wenig wissen. Nur die Votivbilder zeigen mit-unter Möbelstücke, wenn sie mit dem Grund der Darbringung der Tafelim Zusammenhang stehen. So kann man etwa sehen, daß ein Himmelbettnicht nur ein kahles Holzgestell war, sondern reich mit entsprechendenTextilien ausgestattet. Und da die Votivbildermaler durchaus realistischversuchen, die Votivgründe darzustellen, malen sie auch keine Phantasie-möbel, sondern eben jene Wiegen, in denen die kranken Kinder lagen,jene Betten, in denen die Erwachsenen mit dem Typhus kämpften. Und auchder allmähliche Wandel der Wohngewohnheiten ist von ihren Bildernnoch abzulesen. Man bemerkt das allmähliche Zurücktreten der alten,beschnitzten und bemalten Möbel, man begreift den Einzug der bürgerlichenMöbel im Sinn der Biedermeierzeit. Möbelstücke, die es vorher überhauptnicht gab, wie beispielsweise das Nachtkästchen, treten auf den spätenVotivbildern der fünfziger und sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts auf.Mit ihnen klingt freilich beides aus: Das alte Möbel, wie es sich im Laufeder frühen Neuzeit gestaltet und entfaltet hatte, und das Votivbild eben-falls.
Dieses Auslaufen im 19. Jahrhundert, das zur raschen Abwertung des,, Bauernmöbels" führte, täuscht heute nicht mehr darüber hinweg, daß essich bei der ganzen Erscheinung doch um das Phänomen einer echtenKulturblüte gehandelt hatte. Weder die schlichten Anfänge aus der Fugen-zeit zwischen Mittelalter und Neuzeit noch die abgewerteten Endergeb-nisse im 19. Jahrhundert können die allmählich erarbeitete Hochschätzungder Bauernmöbel der Blütezeit vermindern. Was so ungefähr zwischen1648 und 1848 geschaffen, verwendet und größtenteils wieder verbrauchtwurde, bedeutete nicht nur einen beträchtlichen Schmuck der ländlichenWohnräume. Dies ungefähr ebensowenig, wie die Bilder aus der Blütezeitder holländischen Malerei nur Erinnerungen an die Ausstattung der bür-gerlichen Wohnräume Hollands im 17. Jahrhundert darstellen. Die Er-kenntnis eines künstlerischen Eigenwertes hat sich für das eine Phänomendurchgesetzt, und tut dies nun auch für das andere. Dieser Vorgang desallmählichen Verstehens der gewordenen Eigenheit dieser Möbel ist noch
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