Vorwort
Was heute unter„ Bauernmöbeln" verstanden wird, was auch hier indieser Ausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde imSchloßmuseum Gobelsburg als solche gezeigt wird, hat diese Bezeichnungerst durch die Sammler und Händler am Ende des 19. Jahrhundertsbekommen. Während man von„ Bauernliedern" etwa nur im 18. Jahr-hundert sprach, und seit Herder und seit„ Des Knaben Wunderhorn" von,, Volkslied" zu sprechen begann, hat sich der ebenso berechtigte Ausdruck,, Volksmöbel" nicht durchzusetzen vermocht.
Dennoch weiß man ungefähr, was man sich unter diesen„ Bauern-möbeln" vorzustellen hat: Die im 19. und 20. Jahrhundert vor allem imbäuerlichen, im ländlichen Besitz angetroffenen Möbel, die noch nicht ausGroßtischlereien und Möbelfabriken stammten. Möbel, die ihren Typennach dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit entstammen, die aberauch nach ihrer Gestalt, ihrer Auszier, ihrer Beschnitzung und Bemalungdem ländlichen, dem bäuerlichen Lebenskreis zugeordnet erscheinen.
Die Sammlung, welche für die Museen arbeitete, hat nur einen sehrkleinen Bruchteil all jener Möbel dieser Art erfassen können, die im Laufedes 19. und 20. Jahrhunderts zugrunde gingen, aus ihrem ehemaligenLebenszusammenhang abgestoßen, durch den Antiquitätenhandel aus ihrerörtlichen Situierung vertragen wurden. Was manche Sammler und Lieb-haber zur Einrichtung ihrer Wohnungen, ihrer Sommerhäuser erwarben,konnten immer nur Einzelstücke, Proben, womöglich besonders ansprechen-der Qualität sein. Die Museen versuchten ungefähr seit 1895 allmählichSerien zu erwerben, Beispiele der Möbel aus einzelnen örtlichen Werkstättensowie Exempel des möbelgeschichtlichen Formwandels. Das ist in etwaachtzig Jahren nur zum Teil geglückt. Immerhin haben sich aus diesenBeständen allmählich Übersichten über die alten örtlichen und zeitlichenZusammenhänge schaffen lassen. Die Bauernmöbelforschung hat sich, wennauch verhältnismäßig spät, doch einen gewissen Rang innerhalb des FachesVolkskunde schaffen können. Österreich ist an dieser Forschungsgeschichtestets eifrig beteiligt gewesen, eine beachtliche Reihe von Veröffentlichungenunseres Landes sind von grundlegender Bedeutung geworden.
Das Österreichische Museum für Volkskunde hat diese Sammlung undForschung von Anfang an mitbetrieben. Zu manchen Zeiten ist der Möbel-bestand beträchtlich vermehrt worden, wenn auch fast nie planmäßig. Auf
5