00
8
MOBEL IN DEN ÜBERLIEFERTEN FORMEN
DER FRÜHEN NEUZEIT
Das Möbel des Mittelalters, soweit man davon sprechen kann, ist ander Wende vom Mittelalter zur Neuzeit ebenso versunken wie so vielesandere. Wie sich die deutsche Sprache vom Mittelhochdeutsch zum frühenNeuhochdeutsch wandelte, ebenso wandelte sich damals, im Zeitraumzwischen 1400 und 1530 die gesamte Volkskultur, und die Möbel bliebendavon nicht ausgeschlossen. Selbstverständlich haben manche Möbeltypenmittelalterlicher Art sporadisch weitergelebt. Die Trog- Truhe, aus einemeinzigen Stamm gehauen, ist nicht sogleich verschwunden, sondern hat sichals Hafertruhe da und dort noch lange erhalten. Die Satteldachtruhen,ebenso wie die Giebelalmer eigentlich ein Stück durchlebendes Altertum,konnten in manchen Landschaften noch eine Zeitlang weiterleben. DieGiebelalmer beispielsweise sind, ein rares Beispiel, im 19. Jahrhundert imPustertal als Milchkasten gefunden worden, obwohl ihre Blendarkadengeradezu romanische Züge noch aufweisen.
Aber die weiterlebenden Typen waren für die nun kommende Zeit,die bei weitem möbelreichere Zeit der frühen Neuzeit, nicht mehr maẞ-gebend. Sie waren noch vom Zimmermann gearbeitet. Die nun auftretendenMöbel, die Einzelbetten, die Sockeltruhen, später die Kasten, die Wiegen,die Stühle, sie wurden in immer steigendem Ausmaß von Tischlern gefertigt.Laienarbeiten sind Möbel nie gewesen. Auch die Beschnitzung und selbstdie später üblich werdende Bemalung zeigen deutlich, daß hier Könneram Werk waren, Leute, die schnitzen und malen gelernt hatten. Die nun-mehr fast allgemein eingebürgerten Formen der Holzverbindungen wurdenimmer mehr von Tischlern ausgeführt, die zunächst noch behauene, danngesägte Pfosten und Bretter verwendeten, und immer stärker zu den vonSägemühlen gelieferten Materialien griffen. Sie begannen, dieses Materialauch zu hobeln, und erst mit diesen gesägten und gehobelten Pfosten undBrettern konnten die Möbel der Neuzeit geschaffen werden.
Wenn man aus den Hartholzländern, vor allem von Frankreich her,unseren Sprachbereich betritt, überrascht sofort die Tatsache, daß dasblanke Holz, ob hart oder, viel öfter, weich, zumindest mittelweich wiedas Zirbenholz, sich in der frühen Neuzeit dauernd im Rückzug befindet.Während in den Hartholzländern, auch im 17. und 18. Jahrhundert, dasEichenholzmöbel blank und dunkel bleibt, hellt sich das Möbelgesicht inder Schweiz, in Süddeutschland und in Österreich ab dem späten 16. Jahr-