Druckschrift 
Ausstellung Bauernmöbel aus Österreich : Katalog
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

Es bleiben Weichholzmöbel, aber sie werden nicht selten mehr oder mindergrob mit anderen Hölzern intarsiert. Vor allem die Bogenfelder der Arka-den, aber auch die Lisenen dazwischen, erhalten nicht selten Sproẞmotive,etwa hellbraun in dunkelbraun eingelegt. Diese Sproßmotive vererben sichauf die nachfolgende Möbelmalerei.

An Typen stehen noch immer die Vorratsmöbel der Truhen im Vor-dergrund, von denen jedes Schloß, jeder Meierhof Dutzende gehabt habenmuß. Die Blankholzmöbel rückten in die Stadel weiter, in die Kammernkamen nun die bemalten Möbel. Von der eigentlichen Möbelmalerei derRenaissance, welche es beispielsweise zu bemalten Tischplatten gebrachthatte, bleibt nicht viel erhalten. Meist sind die Möbel nur mit einer Grund-farbe überzogen, zum noch immer weiterwirkenden Schwarz tritt das Grünvor allem. Es ist so, daß man einem ähnlichen Vorgang beizuwohnen glaubtwie in der Geschichte der Hafnerei. Die mittelalterliche Schwarzhafnereilebte für das Gebrauchsgeschirr noch immer weiter. Aber die aufkommendeGlasurware setzte sich doch durch, und so werden Schüsseln und Krügenunmehr allenthalben grün.

In diese allgemeine Gestaltung, die sich in Schloß und Meierhofungefähr gleich abspielt, fällt gelegentlich ein kleines Licht aus anderenBezirken. So sehr man die Wiedertäufer abgewehrt hat, so sehr man denHolländern abgeneigt ist, die sich den ganzen Dreißigjährigen Krieg er-spart hatten und in der Zwischenzeit so wohlhabend geworden waren,daß sie ihr Goldenes Zeitalter" erlebten, kulturell geriet man in einegewisse Abhängigkeit davon. Wiedertäufer gab es noch immer, wenn auchabgedrängt in Mähren, in der Slowakei, in Ungarn. Sie versuchten nichtmehr, ihre Nachbarn zu bekehren, sondern mit ihnen in Handelsbeziehungenzu treten. Der Geschirrhandel breitete sich aus, und zu der schwarzen undgrünen Ware der einheimischen Hafner traten fast plötzlich die Einfuhr-Geschirre der ,, Weißhafner", der ursprünglich täuferisch gesinnten Haba-ner". Das Brüderische Geschirr" gewinnt an Boden. Sein reines Weiß,im zweiten, dem Glasurbrand erstellt, seine zeitgemäße Formgebung nachholländischen Vorbildern setzt sich durch. Von den Geschirrborden kommtLicht in die noch immer recht dunklen Stuben. Die bescheidene, aber ge-schmackvolle Bemalung mit pflanzlichen Motiven, dann auch mit heral-dischen Zeichen, fast gar nicht figural und überhaupt nicht religiös, wirdzum Vorbild der Möbelmalerei. Die Möbel werden lichter, die vorher nureingelegten Vasensprosse werden nun auch auf den Truhen und Betten grünund rot aufgemalt.

Es gibt Landschaften, die überhaupt nicht mitmachen. Im Inneren desLandes Salzburg bleibt man nicht nur bei den Blankholzmöbeln. Mansucht sich Vorbilder von außerhalb, aus den protestantischen Reichsstädten,und schafft so in Mittersill und in Saalfelden den eigenen Pinzgauer

10