hundert deutlich auf. Das blanke Möbel italienischer Art, beispielsweise dasgeschnitzte Nuẞholzmöbel, verbleibt im Bereich der italienisch- deutschenSprachgrenze. Im Norden von Südtirol stellen sich noch in gotischer Zeitdie großen Sockeltruhen ein, mit drei, ja mit fünf Feldern. Die Felderwerden mit Anreißverzierungen beschnitzt, die symbolischen Charakterhaben können. Sie werden aber allmählich auch farbig verziert, was nochnicht ,, bemalt" im späteren Sinn heißt. Dafür bietet etwa die ÖtztalerMöbelgruppe ein bezeichnendes Beispiel. Datierte Stücke zeigen, daß der Ge-samthabitus dieser schweren Truhen noch gotisch ist, daß aber einige Bild-darstellungen darauf, Jäger mit der Büchse beispielsweise, schon ganz derSpätrenaissance angehören, ungefähr wie die gleichzeitige Figural- Hafnerei.
Mittelalterliche Reste können auch im Kleinmöbel noch lange nach-leben, mit gotischer Gitterbeschnitzung beispielsweise. Dann schieben sichauch hier modische Herstellungsarten ein, vor allem die Wismutmalerei,die Kavaliere und Damen auf Schmuckschatullen auftreten läßt.
Die Renaissance nimmt in unserem Möbel fast nie italienische Formenan. Manche Möbelgruppen zeigen deutlich, daß die ständische Kunst desspäten 16. Jahrhunderts für sie maßgebend geworden ist. Die Ausstattungso vieler Truhen mit Arkadierung der Vorderfront weist deutlich daraufhin, daß man die Arkaden, die Bogengänge in den Höfen der Schlösser derprotestantischen Ständeherren kannte, die Arkadenhöfe in den Landhäusern,den Gebäuden der politischen Vertretungen der Länder, wie sie in Grazoder in Klagenfurt ja auch noch erhalten sind. Selbst der Arkadenhofder Stallburg in Wien mag darauf hinweisen, daß sein Erbauer, Maximi-lian II., im Herzen dieser Richtung zugeneigt war, und damit auch ihrerKunst. Die Bogenfelder auf den Truhen des 16. Jahrhunderts sind wahr-scheinlich manchmal sogar Zeugnisse des offenen und später geheimenProtestantismus ihrer Besteller und Besitzer. Das mag beispielsweise für diesehr bezeichnenden Obdacher Truhen gelten, die vielleicht von Judenburgin der Steiermark ausgegangen sein mögen.
Es gibt also deutliche Hinweise darauf, daß Form und Auszier derMöbel damals nicht willkürlich gewählt, sondern einem Sinn, unter Um-ständen sogar einem geheimen Sinn entsprechend gewählt wurden. Im17. Jahrhundert, im Dreißigjährigen Krieg und in der folgenden Zeit derTürkenkriege sind kaum neue Möbelformen entstanden. Es wiederholen sichein Jahrhundert lang die Renaissanceformen, die in der Frühbarockzeitnur zusehends schwerer und der Farbe nach finsterer werden. Das Schwarz-färben der Blankholzmöbel hatte schon früher gelegentlich eingesetzt. Nunaber werden die Truhen und Betten, jetzt oft Himmelbetten, wohl mitBogenfeldern beschnitzt, aber entweder überhaupt schwarz gestrichen oderdoch so dunkel gehalten, daß die wenigen heraldischen Zeichen, die sichdarauf finden, kaum hervorleuchten. Dunkel muten auch die eingelegtenMöbel der Zeit an, die unter dem Einfluß Italiens nun rasch Mode werden.
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