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Waage und Maß : aus der Metallsammlung des Österreichischen Museums für Volkskunde
Entstehung
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D. Zeitmessung

Die älteste Vorrichtung zur Bestimmung der Tageszeit ist die Sonnen-uhr. Die Lage des Schattens eines Stabes gibt die Stunde an. Zur Zeitder Sonnenuhren war die helle Periode eines Tages in eine feste Zahlvon Stunden" eingeteilt, deren Länge sich mit der Jahreszeit verän-derte. Die ersten Formen sind von den Chinesen und den Babyloniernbekannt. Die Sonnenuhr hat sich aus dem einfachen Sonnenweiser,dem Gnomon, entwickelt. Man läßt einen Stab einen Schatten werfen,der auf eine in Stunden unterteilte Skala fällt. Bei der Bewegung derSonne von Osten nach Westen überstreicht der Schatten des Stabesdie Skala und zeigt die Tageszeit an.

Seit der Einführung mechanischer Uhrwerke besteht der Tag in deruns bekannten Weise aus 24 gleich langen Stunden. Bei der Wasser-uhr oder Klepsydra( seit 1500 v.Chr.) läuft Wasser aus einem großenBehälter durch ein dünnes Rohr in ein Auffanggefäß, dessen Wasser-spiegel ein Maß für die Zeit darstellt.

Ein weiterer, nicht mechanisch betriebener Kurzzeitmesser, ist dieSanduhr, die heute noch als Eieruhr bekannt ist. Die Sanduhr, dieimmer nur eine kurze, gleichsam persönliche Zeit maß, war bei Ge-richten, wo sie die Länge des Plaidoyers" begrenzte, und auf Kanzeln,wo sie dem Prediger die verronnene Zeit angab, ein lange noch nebenden mechanischen Uhren bestehender Zeitmesser.

Zu den elementaren Zeitmessern, den Sand- und Wasseruhren, ge-hören auch die Feueruhren( abbrennende Kerzen oder Öllampen mitStundenskala), die durch Schwund ihrer Materie die Zeit maßen.Die ersten durch Gewichte angetriebenen Uhren, Räderuhren, stam-men aus dem späten 13. Jahrhundert. Sie waren noch nicht sehrgenau, weil ihr Gleichlauf von der Lagerreibung einer horizontalschwingenden Balkenunruhe( Foliot, Waag) abhing. Es war unmög-lich, diese Reibung konstant zu halten. Huygens( 1629-1695) erfandim Jahre 1656 eine Uhr mit Schwerependel, die Pendeluhr, ausgehendvon der Beobachtung Galileis( 1564 1642), daß sich die Schwin-gungsdauer eines Pendels nicht ändert. In den folgenden Jahrhunder-ten wurden viele Änderungen und Verbesserungen eingeführt; diebesten Pendeluhren besitzen heute eine Ganggenauigkeit von einertausendstel Sekunde pro Tag.

Die genauesten Uhren unserer Zeit nutzen die Schwingungen vonKristallen oder Resonanzübergänge der Elektronen von Atomen aus.Quarzuhren, die im Jahre 1929 vorgestellt wurden, waren auf Anhieb

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