Druckschrift 
Sonderausstellung aus der Schmucksammlung Zumachen - Aufmachen : Katalog
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

EINLEITUNG

Immer wieder ist der Mensch bestrebt, aus dem Vorgang des Zu-machens und Aufmachens von Kleidungsstücken ein Rätsel undGeheimnis zu machen, den eigentlichen Verschluß zu verbergenund ihn dekorativ zu überspielen. Bereits die Nadeln und Fi-beln der vorgeschichtlichen Zeit, mit denen einzelne Gewand-teile zusammengehalten wurden, waren über ihre funktionelleForm hinaus als Schmuckstücke konzipiert worden.( 1)Im Mittelalter trug der Feudaladel Zierknöpfe und Schließenund in der Perücken- und Zopfzeit( 1650-1780) nimmt deradelige Kleiderschmuck einen" ungewöhnlich breiten Raum ein,so daß Zahl und Namen der Bänder, Borten, Maschen, Spitzen,Zierknöpfe, Quasten und dgl. kaum übersehbar sind... Stelltdoch der österreichische Schneidertarif vom Jahre 1689( Codex austriacus III, 338) fest, daß auf ein Kleid und Westeauf die jetzige Mode 25 bis 30 Dutzet(!) Knöpfe und 50 bis60 Dutzet(!) Pöscherl(= Quasten) kommen".( 2)

Aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sind uns von Kleidernwohlhabender Bauern, die sich über die Kleiderordnungen ihrerZeit hinwegsetzten, Knöpfe, Schnallen, Hemdverschlüsse undGürtelschließen überliefert. Das unterdrückte Volk muẞte sichallerdings zunächst noch mit einfachen Verschlußmechanismen,mit Bändern und Nesteln begnügen. Erst im letzten Drittel des18. Jahrhunderts, als die alte" feudale" Sozialordnung all-mählich ihre Grundlage verlor, die Loslösung der Bauern vonder Herrschaft erfolgte und die bürgerliche Gesellschaft sichkonstituierte, spiegelte sich dies auch in der Kleidung undim Schmuck wieder.( 3)

Es begann nun gewissermaßen eine Blüte des österreichischenVolksschmucks. Die Zahl der Gold- und Silberschmiede, derGürtler und" Knopfmacher" wuchs um ein Vielfaches. Eine rie-

9