Druckschrift 
Ist das jüdisch? : jüdische Volkskunde im historischen Kontext ; Beiträge der Tagung des Instituts für Jüdische Geschichte Österreichs und des Vereins für Volkskunde in Wien vom 19. bis 20. November 2009 im Österreichischen Museum für Volkskunde
Entstehung
Seite
525
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Der kategorisierende Blick

der>> Jüdischen Volkskunde<<:Die volkskundliche Wissenschaftund das>> Jüdische<<

Barbara Staudinger

>> Freilich kommt es viel auf den Charakter, auf die Neigung einesLiebhabers an, wohin die Liebe zum Gebildeten, wohin der Samm-lungsgeist, zwei Neigungen, die sich oft im Menschen finden, ihreRichtung nehmen sollen, und ebensoviel, möchte ich behaupten,hängt der Liebhaber von der Zeit ab, in die er kommt, von den Um-ständen, unter denen er sich befindet, von gleichzeitigen Künstlernund Kunsthändlern, von den Ländern, die er zuerst besucht, von denNationen, mit denen er in irgendeinem Verhältnis steht.<< ¹

Vorbemerkung

Wissenschaftliches Interesse und Sammeln, so könnte man das vorangestellte Zitat von Johann Wolfgang von Goethe weniger poetisch über-setzen, hängt nicht nur von der Persönlichkeit und den Interessen desEinzelnen ab, sondern mindestens im gleichen Maße von unterschiedli-chen Faktoren wie Zeit, Umfeld, Ort und Kultur, von unterschiedlichenKontexten also, die es zu untersuchen gilt, will man den Sammler ver-stehen. Eine weitere Ebene kommt hinzu, wenn die Objekte selbst, dieSammlung von Gegenständen oder auch Texten, in den Fokus des Inte-resses tritt. Denn die Objekte erzählen eine Geschichte, wurden durch

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Johann Wolfgang von Goethe: Gedenkausgabe der Werke, Briefe und Gespräche,hg. von Ernst Beutler. 23 Bde., 3 Erg.- Bde., Zürich, Stuttgart 1948-1971, Bd. 13:Schriften zur Kunst. Zürich, Stuttgart 1956. Der Sammler und die Seinigen, 1. Brief,S. 261.