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Ist das jüdisch? : jüdische Volkskunde im historischen Kontext ; Beiträge der Tagung des Instituts für Jüdische Geschichte Österreichs und des Vereins für Volkskunde in Wien vom 19. bis 20. November 2009 im Österreichischen Museum für Volkskunde
Entstehung
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>> Alter Jude, Ton, glasiert<<Spuren des Jüdischen

im Österreichischen Museum

für Volkskunde

Margot Schindler

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Am Anfang wissenschaftlicher Arbeit steht üblicherweise der Versucheiner Klärung der Begriffe. Die Zielsetzung dieses Beitrags-so derUntertitel- besteht in der Suche nach»> Spuren des Jüdischen<< im Ös-terreichischen Museum für Volkskunde. Spuren, das sind Fährten, An-haltspunkte, Ansätze, erste Hinweise, denn obwohl ich mich auf Vorar-beiten stützen kann, ist die Synthese der Elemente, aus denen sich»> dasJüdische«< im Österreichischen Museum für Volkskunde zusammensetztund in der Gegenwart fassbar wird, nicht so leicht zu greifen. Auf dieDefinition, was>> jüdisch«< nun eigentlich sei und bedeute, lasse ich michhier wohlweislich nicht ein. Um die Frage einzugrenzen, zu umkreisen,gilt es jedenfalls in verschiedene Richtungen zu recherchieren.

Ich nähere mich dem Thema von zwei Seiten. Wir wissen von För-derinnen und Förderern, Sammlerinnen und Sammlern, Wissenschaft-lerinnen und Wissenschaftlern jüdischer Herkunft, die mehr als Spurenim Museum hinterlassen haben. Diese Persönlichkeiten möchte ich inihren Beziehungen zum Museum skizzieren und auf weitere aufmerk-sam machen, die eine Wirksamkeit auf das Museum entfaltet haben undbislang noch nicht im Fokus unserer Haus- Fachgeschichtsschreibungwaren. In weiterer Folge richtet sich der Blick auf jene Teile der Samm-lungen, die im engeren oder weiteren Sinn»> jüdisch«< konnotiert sind.Beide Zugänge werden sich im einen oder anderen Fall verschränken,dies jedoch nicht unbedingt zwingend.

Ethnographisches Sammeln und Forschen im Wien der Jahrhun-dertwende war eine private Angelegenheit engagierter Wissenschaftlerund Laien. Keine offiziellen und dementsprechend materiell unter-stützten- dynastischen Interessen, keine adelige, pekuniär abgesicherteVolkskunstsammelbegeisterung, kein staatlicher Auftrag stand hinter