Druckschrift 
Ist das jüdisch? : jüdische Volkskunde im historischen Kontext ; Beiträge der Tagung des Instituts für Jüdische Geschichte Österreichs und des Vereins für Volkskunde in Wien vom 19. bis 20. November 2009 im Österreichischen Museum für Volkskunde
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Margot Schindler,» Alter Jude, Ton, glasiert<<

gen, die auf eine jüdische Herkunft hindeuten eine Veröffentlichung,die nach heutigen Datenschutzgesetzen kaum denkbar wäre. Da findensich Namen wie Anna Feinberg, Samuel Glas, Jan Goldberg, SamuelJenny, Maximilian Katz, Heinrich Loew, Albert Mandelbaum, HeinrichMoses, Ernst Perl, Leopold Rosenberg, August Silberstein, Emil Zu-ckerkandl und noch viele andere.

Sie waren verstreut über die Monarchie von Bregenz über Wien undBrünn bis Lemberg. Vom Universitätsprofessor bis zum Fabriksbesit-zer, vom Antiquitätenhändler, Juwelier und Lehrer bis zum Privatange-stellten reicht die soziale Bandbreite. Es wäre interessant, diesen Nameneinmal näher nachzugehen. Dass sie im Mitgliederverzeichnis diesesVereins zahlreich vorkommen, ist nicht verwunderlich, denn sie warenzu dieser Zeit integraler Teil der Bevölkerung, in der Großstadt Wienvielfach assimiliert und sie interessierten sich als bürgerliche, gebildeteStädter, gleich demselben nichtjüdischen Spektrum der Bevölkerung, fürdie in ihren Augen untergehende bäuerlich- ländliche Lebenswelt und de-ren materielle Zeugnisse und fanden es richtig und notwendig, diese zusammeln und zu bewahren.

Die Stifter, Gönner, Mäzene und sonstigen finanziellen Fördererder Sammlungen und ersten Aufstellungen des Museums können für dieersten zwanzig Jahre, minutiös aufgelistet, den Jahresberichten entnom-men werden. Darunter befanden sich Mitglieder der Hocharistokratiewie Fürst Johann von und zu Liechtenstein, Graf Heinrich Lamberg,Adolf Fürst von Schwarzenberg, von denen die meisten auch andereMuseen Wiens unterstützten. Einzelne Donationen kamen aus demUmkreis des Kaiserhauses selbst, das Sachgeschenke aus den Kronlän-dern an das Museum weiterreichte und jährlich kleinere und mittlereGeldbeträge spendete( 50-500 Kronen). Und im Versuch, dem damals- und übrigens bis heute- öffentlich( staatlich) nur marginal geförder-ten Unternehmen Volkskundemuseum eine Basis zu schaffen, klopfteman damals wie heute auch sonst noch an, wo Geld zirkuliert, bei Bank-häusern und Industriellen. Starthilfe und regelmäßige Unterstützungenin den Folgejahren leisteten hier besonders der Bankier Philipp Rittervon Schoeller, das Bankhaus Rothschild und die Erste österreichischeSpar- Casse sowie die Fabrikantenfamilien Trebitsch und Mautner. Vie-le weitere Namen, Firmen und Bankhäuser finden sich in der Stifterlistedes Jahres 1917, wo man den Umzug des Museums von der Wiener Bör-se in das neue Haus im Gartenpalais Schönborn zu bewältigen hatte.

437