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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
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Zur touristischen Konstruktionkulturellen Erbes anhand

200 Jahre Tiroler Abend

Ein Fallbeispiel aus Theorie und Praxis

Gunter Bakay

Beim Tiroler Abend handelt es sich im Prinzip um ein einfaches Produkt, bei dem die Akteureund das Zielpublikum relativ scharf umrissen sind: Auftreten musikalische, theatralische undtänzerische Vertreter der ,, Volkskultur", die sich vor mehr oder weniger interessiertem touris-tischen Publikum produzieren. Das gemeinsame Ziel: ein tiefer Blick in das, typische" Herzdes Gastlandes- sein Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum, seine Musik, seinen speziellen, Charakter". In diesem Sinneerwartet der Gast von einem Tiroler Abend" nichts anderes als von den diversen vergleich-baren Shows in Spanien, Griechenland oder von Indianern Glossar ::: zum Glossareintrag  Indianern am Amazonas oder in nordame-rikanischen Reservaten. Der kleine Unterschied: Die Tiroler haben mit derartig professionellaufgebauten Shows wesentlich früher als alle anderen begonnen und über die verfügbarenMedien verbreitet.

Was wie ein Markenvorteil klingt, hat sich im Laufe der Geschichte allerdings eher zu ei-nem Nachteil entwickelt. Fast zweihundert Jahre ,, Tirol auf der Bühne hat Akteure, Instituti-onen, Werbung und nicht zuletzt den Zuschauer geprägt und verändert. Oder in einem Bild:Der körperbemalte, federngeschmückte Yanomami- Indianer Glossar ::: zum Glossareintrag  Indianer auf der Flöte geht bei seinemAuftritt problemlos als echt und authentisch" durch, wogegen der schuhplattelnde Tirolerin Lederhosen bei halbwegs kritischem Publikum einen schweren Stand hat und eher unterder Kategorie Burleske eingeordnet wird. Dies gilt vor allem für die Beurteilung durch dieTiroler selbst. Der Tiroler Abend" fast als Schimpfwort.

Um zu verstehen warum das so ist, warum der Tiroler Abend" seine Höhepunkte, seinefast unverdaulichen Tiefschläge hatte und er insgesamt seinen Warencharakter" wissentlichoder unwissentlich mehr als deutlich präsentiert, ist ein Blick auf seine Geschichte unabding-bar. Wie sich zeigen wird, handelt es sich dabei um den alten Kampf zwischen Tradition undInnovation, aber auch um die Erfordernisse eines rasch entwickelten Tourismus, der mit Hilfevon Klischeebildern oft auch über Leichen geht".

Wie so viele andere Erfolgsgeschichten" beginnt auch der Tiroler Abend völlig unspekta-kulär und zumindest anfangs unscheinbar: Von einer abendfüllenden Vorstellung war nichtdie Rede und dass man daraus ein eigenständiges Geschäft machen könnte ebenfalls nicht.Unsere Geschichte beginnt nicht mit einem Erfolg, sondern mit einem Misserfolg, genauergesagt mit Armut. Die Wertschöpfung Tirols lag im wesentlichen in seiner besonderen Lageals Pass-, Transit und Bergwerksland. Diese Wertschöpfung war immerhin so groß, dass essich auf die landwirtschaftliche Produktion bezogen sogar eine eklatante Überbevölkerungleisten konnte.

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