„ Vergessen. Ohne Erinnerung bin ich tot."Aufarbeiten und Gedenken im Sinne von Nichtvergessen
Irmgard Jurkovich
In der jüdischen Kultur gibt es ein besonderes Verhältnis zur Erinne-rung und zur Geschichte: Von keiner anderen Kultur ist bekannt, dassdas Erinnern den Stellenwert eines religiösen Gebotes hat- allerdingsist das Erinnern weniger auf historische Daten als vielmehr auf diebesondere Beziehung zwischen Israel und Gott gerichtet. Im 5. BuchMose( Deuteronomium) werden acht verschiedene Verfahren kulturel-ler Erinnerungshilfen genannt:
1. Bewusstmachung: Beherzigung,„ Einschreibung ins eigene Herz❝2. Erziehung: Weitergabe an die folgende Generation durch Kommu-nikation ,, allerorten und allerwege"
3. Sichtbarmachung: z. B. durch Merkzeichen und Denkzeichen aufStirn und Hand( Körpermarkierung)
4. Symbole an persönlichen Orten anbringen: z. B. Inschriften auf Tür-pfosten, Hausmauern
5. Speicherung und Veröffentlichung: Inschriften auf Gedenksteinen6. Feste der kollektiven Erinnerung wie z. B. Pessach= jüdisches Festzur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten
7. Mündliche Überlieferung in Gedichten, Liedern u. a.
8. Gesetzliche Fassung von Geboten und Vertragstexten mit der Auf-gabe buchstäblicher Einhaltung
Durch diese Erinnerungstechniken wird die soziale Identität der Grup-pe gesichert. Dieser normative Zusammenhalt prägt das so genanntejüdische Gedächtnis bis heute in aller Welt.
Ganz im Zeichen dieses Erinnerns und des Sicherns der Spuren derzerstörten jüdischen Gemeinden des Burgenlandes, im Besonderen derunwiederbringlich verlorenen jüdischen Gemeinde von Kittsee wirdhier der Fokus auf die letzten Juden von Kittsee gerichtet; wer sie über-haupt waren, wie sie hießen, was wirklich passierte, um im April 1938Kittsee ,, judenfrei“ zu machen, wie die„, Säuberung"- sprich„, Arisie-rung"- vor sich ging, wie der Retter der Kittseer Juden, Aaron Grün-hut, und der kommunistisch- jüdische Erfolgsautor und Arzt Friedrich
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